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SWR2 Wort zum Tag

Was kann ich tun? Wie kann ich mein Leben gestalten, auch wenn mir deutliche Grenzen gesetzt sind?n Der Schauspieler Samuel Koch ist nach einem Unfall vollständig gelähmt. Er war in unserer Kirche mit einer Lesung zu Gast.

Er  kann tatsächlich nicht einmal einen Bleistift halten, keine Fliege wegscheuchen, kein Getränk halten oder sich was in den Mund schieben. Er kann mit einer Bewegung der Schulter seinen Rollstuhl mit einem Joystick lenken, solange das Gelände es zulässt.
Und dies bei einem Mann, für den Bewegung früher alles war. Erfolgreicher Kunstturner war er, hat als Stuntman gearbeitet; heute scheint sein Körper wie eine Art Gefängnis für die eigene Energie, die vielen Ideen. Für jede Kleinigkeit muss er um Hilfe bitten.

Und doch: Ich war fasziniert von seinem Auftritt, zusammen mit 600 Menschen, die ihm zuhörten. Warum? Zum einen, weil er ein Meister seines Fachs ist. Vor allem aber, weil er etwas zu sagen hat. Weil er für sein Leben eine Strategie entwickelt hat, von der ich sehr viel lernen kann.

Koch sagt: „Ich konzentriere mich nicht auf das, was ich nicht kann. Sondern auf das, was ich kann.“
Andere würden in seiner Lage vielleicht sagen: Es ist vorbei, Ich kann nichts mehr tun, ich gebe auf. Er aber nutzt jeden Quadratzentimeter seiner Begabungen, so mein Eindruck, und macht etwas draus. Das bedeutet: Es gibt Hoffnung. Nicht nur für Menschen, die schwer krank und eingeschränkt sind. Sondern auch für körperlich gesunde Menschen. Für alle, die sagen: Ich kann es nicht. Es hat keinen Sinn mehr.

Wertschätzen, was ist. Tun, was geht. Und Haltung zeigen.
Das ist es, was mich an Samuel Koch beeindruckt: Er strahlt er etwas Positives aus, eine Mischung aus Zuversicht und Tapferkeit. Er sieht seine Situation als Herausforderung, und er macht anderen Mut, das auch zu tun. Gerade weil die Situation der meisten anderen – und auch meine - ungleich günstiger ist: Sei dankbar für dein Leben. Tu, was du kannst. Wahrnehmen, denken, schreiben, etwas auf den Punkt bringen, Zuwendung schenken, andere zum Lachen bringen. Und:

An Gott glauben, mit Gott streiten – auch das geht noch.
Seit dieser Begegnung sehe ich manches neu. Vor allem wenn Frustration und innere Müdigkeit bei mir anklopfen. Ich will mein Leben wertschätzen.
Mich auf das konzentrieren, was noch geht und was ich kann. Und – hoffentlich – Haltung bewahren, auch wenn der Spielraum immer kleiner wird.

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