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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Was geschieht alles angeblich im Namen Gottes! Wenn ich Nachrichten höre, denke ich oft: Wie oft wird diese Frage missbraucht –was Gott angeblich von uns will. Wie oft muss Gott an uns Menschen verzweifeln! In seinem Namen Unfrieden stiften-  Was denken sich Menschen da? Was maßen sie sich an? Was will Gott von uns denn wirklich?

Dieses Jahr denkt die evangelische Kirche ja mit vielen Aktionen an die Reformation  – 500 Jahre ist das her - und an Martin Luther. Nicht nur er, sondern viele Menschen damals haben auch gefragt: Was will Gott von uns? Viele waren  in einer Aufbruchsstimmung. Sie wollten verändern, und vieles ging dabei nicht friedlich ab. Es waren nicht nur Männer, die den Aufbruch wagten, auch Frauen waren dabei. Eine finde ich dabei besonders interessant - nicht nur, weil wir den gleichen Vornamen tragen. Renata von Ferrara war eine französische Königstochter und Frau des Herzogs von Ferrara. Sie stand mit dem Schweizer Reformator Calvin in engem Kontakt.

Renata von Ferrara war der Reformation zugeneigt, aber wollte nicht spalten. So war auch nie ganz klar, ob sie katholisch oder protestantisch war. Auf jeden Fall setzte sie sich für Frieden zwischen den Parteien ein. Einen Bäcker, der zum Tode verurteilt war, wollte sie unbedingt retten. Sie nahm Flüchtlinge bei sich auf,  und Hunderten von  Hugenotten verhalf sie zur Flucht.

Wegen ihres Widerstandes sperrte ihr eigener Mann sie zeitweise in den Turm ein und ihr erwachsener Sohn belagerte sie. Sie hatte es mit ihrer Friedensbotschaft nicht leicht. In all den Glaubenskriegen und Wirren wurde sie dennoch nicht müde zu sagen: Das hätte Gott nicht gewollt!

Würde sie heute leben, sie würde wohl dasselbe sagen. Ich glaube, wir brauchen auch heute  Frauen und Männer, die Brücken bauen. Die  wie Renata von Ferrara nicht schwarz weiß malen, sondern behutsam fragen: Was will Gott von uns? Und wie gehen wir friedlich miteinander um?

Und dabei nicht nur reden, sondern handeln: Notleidenden helfen, verbinden statt trennen. Für mich ist daher Renata von Ferrara auch heute  ein Vorbild – und Vorbilder können wir gut gebrauchen, nicht nur im Reformationsjubiläumsjahr.

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