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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Ein Bekannter von mir wirkt, als hätte er nie jemanden nötig. Er macht einfach so sein Ding, lässt sich nie verunsichern. Ein bisschen hat er was von James Bond oder Superman. Einer, der alles im Griff hat. Nur einmal, da war er ganz anders als sonst.

Da hat er mir erzählt, dass sein Vater im Krankenhaus liegt. Und dass er sehr besorgt ist. Nichts schlimmes, er soll operiert werden. Aber man weiß ja nie. Er war wie verwandelt: Dieser unabhängige, coole Typ ist also auch ein besorgter Sohn, hab ich gedacht. Und ein fürsorglicher Mensch! Das hat mich echt überrascht.

Auch so jemand, außen ganz cool, pflegt offensichtlich rührend die Beziehung zu seinem Vater. Auf seine Weise – er ruft ihn jetzt viel öfter an als früher, nimmt sich Zeit, um von seiner Arbeit zu erzählen. Und es fällt ihm gar nicht mehr schwer, zuzuhören, wenn sein Vater nun seine alten Geschichten erzählt.

Es  braucht gar nicht viel. Manchmal reicht es einfach einzugestehen, dass der Andere einem wichtig ist. Und sich etwas Zeit zu nehmen, und das in einer Zeit, wo doch kaum einer mehr Zeit hat. Geschweige denn für Andere. Meinem Bekannten wurde das erst klar, als sein Vater ins Krankenhaus kam. Wie wichtig es ihm ist,  zu zeigen: Du bist mir nicht egal. Für seinen Vater da zu sein,  ohne selber gleich was davon zu haben. Auch zu vergeben, wenn es nötig ist. Das ist Beziehungspflege. 

Beziehungspflege, davon hat auch Jesus erzählt – er hat von Gott oft als von einem Vater gesprochen. In einer Geschichte nimmt dieser Vater einen sehr unabhängigen und egoistischen Sohn wieder auf. Verzeiht ihm -  obwohl der sein ganzes Erbe verjubelt und vergeudet hat. Fast wäre die Beziehung kaputt gegangen- aber auch dieser Sohn merkte: Alleine geht es nicht. Und war froh, dass die Beziehung zu seinem Vater das ausgehalten hat.

Jesus sagt: Weil Gott uns so sehr liebt, kann jede verkümmerte Beziehung wieder lebendig werden. Jeder Tag ist eine neue Chance dafür - in der Familie, im Freundeskreis, auf der Arbeit oder wo  immer wir leben. Da reicht oft schon eine kleine Geste oder ein Satz wie: Gut, dass es Dich gibt!

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