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SWR3 Gedanken

Als ich das Lied zum ersten Mal gehört habe, musste ich grinsen. „Ich bin das Chaos“ singt Judith Holofernes und fragt mich: „He und wo gehst du hin – wir sind doch Freunde du und ich. ... Alles in Ordnung bei dir? Ich hab dich schon vermisst. ...“ Und ich denke nur: Wie passend. Manchmal kommt mir das Chaos vor wie einer dieser unliebsamen Bekannten, die man einfach nicht los wird. Immer wieder kommt es zu Besuch, meist unangemeldet.

Chaos – das ist dieser Zustand völliger Unordnung – im Kopf nennt man es wohl „Verwirrung“.  Die Bibel erzählt ganz am Anfang davon. Sie nennt es „Tohuwabohu - wüst und leer“ – Chaos eben. Und aus diesem Chaos hat Gott die Welt geschaffen. Aber das Chaos ist damit nicht vorbei. Es begleitet uns.

Da hat man eben noch die Wohnung so schön aufgeräumt, und nur eine Playmobilkiste später – ist alles Chaos. Oder Chaos im Kopf – wenn man so richtig verknallt ist und nicht genau weiß, was man will, was richtig und falsch ist. Oder der fordernde Beruf, drei Kinder, und dann wird man krank und alles steht auf Chaos. Und in der Weltpolitik ist derzeit auch vieles unberechenbar geworden.

Und trotzdem singt Judith Holofernes ganz fröhlich vom Chaos. Weil das Chaos nun mal zur Welt, zu uns gehört. Und weil es gut ist, damit leben zu lernen.

Chaos ist nämlich manchmal auch eine gute Gelegenheit, sein Leben neu zu ordnen. Überhaupt neu anzufangen. So wie Gott. Ganz am Anfang hat er aus Chaos eine wunderschöne Schöpfung gemacht. Aus dem Chaos sind Pflanzen, Tiere, die ganze Welt entstanden, so die Bibel. Und so können auch wir schöpferisch mit dem Chaos umgehen.

Übrigens: Judith Holofernes ist schon seit ihrer Kindheit mit dem Chaos befreundet gewesen, sagt sie. Aus ihrem Chaos ist wunderbare Musik entstanden. Also, liebes Chaos, komm ruhig mal wieder vorbei. Ich bin bereit für Dich. Und gespannt, was wir beide so auf die Beine stellen. Du und ich.

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