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SWR3 Gedanken

Der Gedanke, den ich gleich ausspreche ist schon ganz gut. Aber noch nicht perfekt. Nicht perfekt heißt: Noch nicht fertig. Nicht ausgereift. Noch nicht. Und genau darum geht es.

Ich habe das Gefühl, ein ewiges „noch nicht“ begleitet mich durchs Leben.

Ich bin glücklich, aber noch nicht  immer.  Ich bin gut in meinem Job, aber noch nicht ganz. Dieses ewige noch nicht nervt ganz schön. Allein die Vorstellung davon wie der perfekte Zustand aussehen müsste, macht mir immer wieder bewusst, dass ich von dieser Perfektion eben immer noch einen Schritt entfernt bin. Ein ewiges „schon, aber noch nicht“. Andererseits bringt mich genau diese Vorstellung dazu, immer weiter an mir zu arbeiten. Mich und mein Leben immer weiter perfektionieren zu wollen. Und das empfinde ich als etwas Gutes.

Erstaunlicherweise ist dieses schon, aber noch nicht ein Bild, das auch Jesus verwendet hat,  wenn er den Menschen erklären wollte, wie das Reich Gottes ist. Immer wieder hat er den Menschen gesagt, dass das Reich Gottes kommen wird. Das Problem ist aber: keiner von den Menschen hat das Reich Gottes je gesehen. Deshalb versuchte Jesus durch sein Handeln den Menschen eine Vorstellung davon zu geben, wie das Reich Gottes ist: Er hat Menschen geheilt, weil es im Reich Gottes keine Krankheiten und kein Leid gibt. Er hat Tote zum Leben erweckt, weil es bei Gott keinen Tod gibt. Er hat sich mit Ausgestoßenen getroffen, weil es im Reich Gottes keine Außenseiter gibt.

So hat Jesus den Menschen eine Vorstellung vom Reich Gottes gegeben. Von einer Welt, die so ganz anders ist, so viel schöner, so viel besser als unsere hier. Unsere Welt, die zwar schon ein wenig so ist, aber eben noch nicht ganz. Und jeder der davon begeistert ist, kann daran mitarbeiten. Und das „schon aber noch nicht“ ein bisschen mehr in Richtung „noch nicht, aber fast“ rücken.

Denn immer, wenn ein Mensch einem anderen etwas Gutes tut, dann kommt ein Stück mehr vom Reich Gottes in diese noch nicht perfekte Welt.

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