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SWR2 Wort zum Tag

Was geschieht eigentlich, wenn wir eine Person sprechen hören? Hören wir zuerst auf das, was jemand sagt; oder hören wir zuerst auf eine Stimme und suchen zu erkennen, wer zu uns spricht? Das Erste ist wohl das Hören auf eine Stimme. Das bestätigt sich bei jedem Telefonanruf: Wer einen Anruf entgegennimmt, horcht als erstes auf die Stimme des Anrufenden. Wenn er ihn oder sie erkennt, dann schon an der Stimme, und nicht erst an dem, was der andere sagt.

Natürlich hören wir immer Worte. Aber die Aufmerksamkeit, die wir dem Gehörten entgegenbringen, gilt zuerst der Person des Sprechenden und dann erst dem, was er sagt. Ich höre den anderen, erkenne, wer es ist, und reagiere entsprechend: ich freue mich, oder zögere und horche weiter. Was sich ereignet, wenn ich eine Stimme höre und erkenne, hat nicht wenig mit Glauben zu tun: Ich überspringe dabei eine winzige Schwelle der Unsicherheit. Ich höre eine Stimme und glaube, dass es die Freundin ist, die ich kenne, von der ich aber schon länger nichts mehr gehört habe. Und ich schenke ihr Vertrauen. Ich möchte hören, was sie mir zu sagen hat.

Auffallend viele Geschichten der Bibel erzählen davon, dass Gott Menschen ruft, bzw. dass Menschen eine Stimme hören, die sie häufig erst nach längerer Zeit als Stimme Gottes erkennen. Da ist z.B. der junge Samuel, der im Tempel Dienst tut: In einer Nacht wird er dreimal gerufen. Er verhört sich dreimal und glaubt, dass es der Priester Eli ist, der ihn ruft. Eli ist in der Überlieferung Israels alt geworden und glaubt an einen Gott, der zu seinem Volk spricht. Sein Glaube lässt ihn erkennen, dass dieser Gott jetzt mit dem jungen Samuel spricht.

So wie sich in jedem menschlichen Gespräch und im wechselseitigen Hören Glauben vollzieht, so ganz ähnlich im Gespräch Gottes mit einem Menschen. Es gibt kein Hören ohne Glauben, zugleich gibt es keinen Glauben ohne Hören. Dabei gilt dieses Hören nicht zuerst einem Inhalt, einer Lehre, einem Gebot, sondern der Stimme einer Person, der man vertraut.

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