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SWR3 Gedanken

Braucht es wirklich die Katastrophe? Damit Menschen den Frieden lernen? Manchmal frage ich mich das.
Als die letzten Kugeln des Ersten Weltkrieges verschossen waren und nichts mehr ging, da war es endlich soweit. Die Leute wollten Frieden und haben den so genannten Völkerbund gegründet. Das war heute vor 98 Jahren in der Versailler Friedenskonferenz. Gemeinsam wollten die Völker der Welt ihre Konflikte auf friedlichem Wege bereinigen. Zum Beispiel mit Schiedsgerichten. Das setzte von den Mitgliedern des Völkerbundes freilich voraus, dass sie sich von den anderen korrigieren lassen.

Und daran ist der Völkerbund letztlich gescheitert. Die nationalen Egoismen waren größer als der Gründungsgedanke: Frieden durch Diplomatie, Kompromisse schließen statt schießen.
Nach dem Motto: Deutschland zuerst! Ist Nazi-Deutschland aus dem Völkerbund wieder ausgetreten. Es folgte das millionenfachen Morden im Zweiten Weltkrieg.

Nach dieser Katastrophe haben die Völker die Vereinten Nationen gegründet. Und die Europäische Union. Frieden durch Zusammenarbeit in Wirtschaft, Kultur und Diplomatie. Das war das Ziel. Dafür hat die EU den Friedensnobelpreis gewonnen.

Und jetzt beobachte ich fassungslos und entsetzt, wie in nahezu allen EU-Staaten die nationalen Egoismen wieder aufleben. Deutschland zuerst! America first! Frankreich zuerst! Als hätte man nichts aus der Geschichte gelernt.
Braucht es wirklich die Katastrophe? Damit Menschen Frieden lernen? Wir müssten es besser wissen.

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