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SWR2 Wort zum Tag

An der Küste Tansanias am Indischen Ozean gibt es einen Hafen namens Bagamoyo. Der Name bedeutet: wirf dein Herz weg! An diesem Hafen wurden früher die Sklaven auf Schiffe verladen. Von dort gab es kein Entrinnen mehr. Wer an diesem Hafen angelangt war, musste alle Hoffnung aufgeben. Anfang des 19. Jahrhunderts ließen sich jedoch einige Missionare aus Europa an diesem Ort nieder. Sie begannen zunächst damit, auf dem Sklavenmarkt Sklaven freizukaufen. Die Freigelassenen überließen sie allerdings nicht ihrem Schicksal.

Sie versuchten, ihnen die Motive ihres Handelns deutlich zu machen. „Für deine Freiheit haben wir Geld bezahlt. Aber für die Freiheit deiner Seele reicht kein Geld aus. Diesen Preis kann nur einer bezahlen, der viel größer und mächtiger ist als wir. Der Sohn Gottes hat es getan, er hat für dich sein Leben gelassen.“ Vielen ehemaligen Sklaven leuchtete dieser Vergleich anscheinend ein. Sie wussten ja, was es hieß, angekettet zu sein und freigekauft zu werden. Und für sie war es nicht schwer zu verstehen, dass auch das Unsichtbare, die „Seele“ ihres Lebens befreit werden musste. Vielleicht von den Ketten des Hasses, den sie gegen ihre Unterdrücker empfanden. Viele nahmen die Botschaft an. So entstand in dieser Hafenstadt eine der ersten christlichen Gemeinden Ostafrikas.

Der Sohn Gottes hat dafür sein Leben gelassen. Ich glaube das. Es gibt jemanden, der alles für mich gegeben hat, damit meine Seele freigelassen wird. Frei vom Zwang, immer mehr leisten zu müssen, oder vor anderen immer gut dazustehen. Frei von dem, was mich gerne besitzen oder beherrschen möchte.

Eine Frau erzählt mir, dass sie sich angekettet fühlte von den Bedürfnissen ihrer eigenen Familie, dass sie nur noch für andere gelebt hat. Eine Sucht war die Folge. Jetzt ist sie frei davon, und sie führt das auf die Bekanntschaft mit Menschen zurück, die ihr den christlichen Glauben nahe brachten. Sie sagt: „Es gibt einen Platz in meinem Leben, der nicht besetzt ist von Sorgen oder Ängsten. Hier bestimmen nicht die Zwänge des Alltags, nicht die Anforderungen und Enttäuschungen.

Dieser Platz gehört Gott.“ Einer stirbt, damit ich leben kann. Damit ich nicht mehr gebunden bin an das, was die Bibel „Tod“ nennt. Die Missionare von Bagamoyo – sie predigten nicht nur, sondern sie lebten diese Botschaft, setzten sie ins Bild.
Wirf dein Herz nicht weg! Es gibt einen Weg, der in die Freiheit führt.

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