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SWR2 Wort zum Tag

Was für schöne Kirchen – in Städten und Dörfern - in der Nähe und unterwegs. Doch wenn ich eintreten will, erlebe ich immer wieder: Tür zu. Verschlossen.
Meine erste Gedanke: Aha, das könnte eine evangelische sein, da gibt es immer noch einige, die nicht zugänglich sind.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland hat einen, wie ich finde, bemerkenswerten Beschluss gefasst – bewusst zum Reformationsjubiläum: Die Kirchenräume sollen wieder zugänglich sein – nicht nur die Großkirchen, Dome, Münster, Kathedralen - alle Kirchen sollen zu bestimmten Zeiten offen sein - für alle. Wo es Schwierigkeiten gibt, da sollen Gemeinden das begründen, warum es bei ihnen nicht geht.

Mir gefällt dieser Geist. Und es ist eine schöne Reform – hier und heute. Ein Wiedereröffnen des Kirchenraumes. Sicher, die evangelische Überzeugung – es gibt keine heiligen Räume  – eine Kirche ist ein Versammlungsraum für den Gottesdienst! – die hat ihren Sinn. Aber muss sie deshalb außerhalb der Gottesdienstzeiten verschlossen sein?

Der Kirchenraum kann mehr sein als nur ein Ort für einen Gottesdienst.Komme ich in eine Kirche, kann ich mich intensiv erinnern:
an Glück und Schmerz in meinem Leben – an Hoffnungen und Enttäuschungen.Was für eine besondere Stille. Was für ein Licht, was für eine Größe auch.
Ich kann mit einer angezündeten Kerze vor Gott bringen – ins Licht stellen – was mich umtreibt.

Übt jemand zufällig auf einer Orgel – was für ein Klangerlebnis!  Was bringt das alles in mir zum Schwingen! Alles das kann ich so in keinem Privatraum erleben – auch in keiner Mehrzweckhalle, in keinem Bahnhof, in keinem Konsum- oder Kulturtempel. Nicht einmal in einem Museum, dessen tolle Architektur mich anzieht.

Wenn auch evangelische Kirchen mir Zeit und Möglichkeit geben, zu verweilen, zu mir zu kommen – dann öffnen sich Räume für mein religiöses Leben. Oft höre ich: „Ich halte meinen Gottesdienst im Wald, beim Spazieren.“ Ist sehr o.k.

Nur die andere Möglichkeit – in einen Raum eintreten, wo so viele vor mir gebetet und gesungen haben, der über viele Jahre durchtränkt ist vom Gottvertrauen so vieler vor mir - das hat noch eine andere Dimension.Es braucht Zeit und Aktive in den Gemeinden, die Kirchenräume neu zu öffnen.

Wer schaut nach Blumen, wer nach einer Hilfe für ein Gebet, wer nach Kerzen und Klängen? Alles das geht nicht von heute auf Morgen. Ich freue mich auf offene Kirchen. Damit diese so besonderen Räume wieder erlebbar werden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23863