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SWR3 Gedanken

„Wer seine Tätigkeit einschränkt, erlangt Weisheit.“ (Sir 38,25). So lautet ein altes Sprichwort aus der Bibel. „Wer seine Tätigkeit einschränkt, erlangt Weisheit.“ Für mich übersetzt, klingt das so: Wer weniger macht, ist klug. Oder auch: Wer nein sagt, macht es richtig.

Über den Spruch habe ich mich lange geärgert.

Ich kenne Leute, die können das gut: Sich abgrenzen. Nein sagen. Oder sich sogar vor Aufgaben drücken. Das ist für mich alles andere als weise.

Na toll – dann mache ich es wohl falsch! Weil ich es oft nicht schaffe, nein zu sagen. Bin ich deswegen also nicht weise?

Ich habe lange gebraucht um zu kapieren, was der Satz für mich bedeutet: „Wer seine Tätigkeit einschränkt, erlangt Weisheit.“ 

Ich habe festgestellt: Wenn ich ausgeschlafen bin, fällt es mir viel leichter, schwierige Aufgaben anzupacken. Wenn ich mir in der Mittagspause Zeit nehme, um mich mit Kollegen zum Essen zu verabreden, bin ich danach viel motivierter. Und wenn ich eine Aufgabe auf dem Schreibtisch auch mal eine Nacht länger liegen lasse und dafür zum Sport gehe oder mich mit Freunden treffe, läuft es am nächsten Morgen wie von selbst. Wenn ich das schaffe, mache ich alles andere viel lieber und besser.

Den Stift auch mal fallen lassen, wenn es Zeit ist! In den Feierabendmodus wechseln! Abschalten! Ich hab ja schließlich auch ein Recht auf mich. Und wenn ich meiner Arbeit Aufmerksamkeit schenke, muss auch ich mir Aufmerksamkeit schenken. Das bedeutet der Satz für mich: Sei auch für dich da! Das ist für mich dann tatsächlich weise.

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