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SWR2 Wort zum Tag

Was wird in diesem Jahr auf uns zukommen? Niemand weiß es. Hilfreicher ist vielleicht eine andere Frage: Gibt es ein Ereignis im letzten Jahr, das mir Mut macht, eine Geste, die mich daran erinnert, dass ich das tue, was in meiner Verantwortung liegt, dass ich selbst gemeint bin?

Eine solche Geste ereignete sich für mich am Ende des letzten Jahres. Papst Franziskus hatte es als „Jahr der Barmherzigkeit“ ausgerufen und damit die alte Tradition des „Heiligen Jahres“ aufgenommen. Ihm ging es darum, den christlichen Kirchen, die in diesem Jahr den Beginn der Reformation vor 500 Jahren feiern, die Barmherzigkeit als Weg der Erneuerung zu weisen. Konkrete Ereignisse sollten deutlich machen, was es von Menschen verlangt, Barmherzigkeit zu üben.

Ein solches Ereignis stand am Ende des letzten Jahres. Mit einer Geste zeigte der Papst, um was es ihm bei der Barmherzigkeit geht. Aus aller Welt lud er Obdachlose ein, sowie Menschen, die sich an ihrer Seite engagieren. Etwa 4000 Wohnungslose aus rund 20 Ländern reisten nach Rom. Die Botschaft dieser Geste geht in eine doppelte Richtung.

Für die einen, die vom Papst verlangen, die Reformen der katholischen Kirche entschiedener voranzubringen, und für die anderen, die von ihm verlangen, die Normen der katholischen Kirche klarer zu verteidigen, wurde unübersehbar, wem das Interesse des Papstes zuerst gilt: nämlich nicht der Kirche, sondern den Menschen!

Für die in Rom versammelten Obdachlosen war das eine Botschaft, die sie mit allen Fasern aufnehmen konnten. Ihnen geht es ja in erster Linie um die Nähe eines Menschen. Der Papst ging auf sie zu als ein Bruder, der ihre Nähe braucht! Sie begegneten einem Mann, der sie bat, ihm die Hände aufzulegen und für ihn zu beten.

Barmherzigkeit üben heißt, ein armes Herz zu haben, sich an die eigene Bedürftigkeit zu erinnern, sich als angewiesen auch gerade auf jene zu wissen, die äußerlich von unserer Hilfe abhängig sind. Barmherzig ist, wer sich vor Gott demütig zugehörig weiß zu allen Menschen.

 

 

 

 

 

 

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