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Anstöße sonn- und feiertags

„Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen!“ „Wie bitte?“ – damit habe ich nicht gerechnet. Und schon gar nicht aus dem Mund einer Ordensschwester. Ich bin zum Jahreswechsel in einem Kloster – eine Zeit der Stille, um das vergangene Jahr würdig zu verabschieden und das Neue wohlvorbereitet zu beginnen. Gerade habe ich der Ordensschwester erzählt, welche schlechten Gewohnheiten ich im Neuen Jahr gerne lassen möchte. Ich muss gestehen – es sind dieselben, die bei Meinungsumfragen ganz oben auf der Liste stehen: bewusster leben, Freundschaften pflegen, mehr Sport, gesünder  essen... und so weiter.
Und  dann sagt die Schwester diesen Satz: „Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen!“ Ich bin total irritiert – soll ich mir etwa nichts vornehmen? Das ist doch der Sinn von Sylvester – Ich kann ein Kapitel abschließen und hoffnungsfroh ein neues aufschlagen – bei dem dann im besten Fall alles besser wird.
„Hat es denn jemals funktioniert?“ fragt mich die Schwester. Ich muss zugeben – nein! –
Und sie fragt weiter: „Und was ist geblieben?“ fragt sie weiter- ja klar – ich weiß schon, worauf sie hinaus will. Ein Haufen Frust, Enttäuschung und viel Ärger auf mich selbst sind geblieben.
Ich möchte aber noch nicht so ganz aufgeben und protestiere: „Aber wenn ich mir nichts vornehme, kann ich mich ja auch nicht ändern und weiterentwickeln!“
„Dann lass es doch!“ kommt die Antwort. Hmmm – interessanter Gedanke – irgendwie ein bisschen unheimlich – aber auch sehr verlockend, wenn ich ehrlich bin.
Ich nehme mir einfach vor, mir nichts vorzunehmen.

Es stimmt ja, wie oft merke ich, dass mich meine Erwartungen blockieren – obwohl sie mich eigentlich beflügeln sollten. Damit meine ich nicht, dass man nicht träumen sollte. Es hält mich wach und lebendig, mehr zu wollen - intensiver und achtsamer zu leben. Aber ein Vorsatz ist tatsächlich etwas anderes als ein Wunsch – er setzt mich unter den Druck, einem Ideal gerecht werden zu müssen. Der Vorsatz kann plötzlich wichtiger werden als ich selbst.

Ich habe mir dann tatsächlich nichts vorgenommen – und es war eine sehr befreiende Erfahrung. Das Verrückte war, dass ich vieles besser umsetzen konnte, was ich mir nicht vorgenommen hatte. Und die Moral von der Geschicht? Beginn das Jahr mit einem Vorsatz nicht!

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