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SWR2 Wort zum Tag

Es sollte auf einem Weihnachtsmarkt geschehen. Es sollte Menschen treffen, die friedlich, fröhlich feiern. Es sollte sie sogar treffen, weil sie friedlich feiern. Menschen, in dem festen Vertrauen, dass sie an einem sicheren und friedlichen Ort sind, wo sie unbeschwert sein können.

Der Hass hat auf diesen Frieden gezielt. Ihn sollte er treffen. Mit den Menschen, die er getroffen hat. Wir sollen das Vertrauen aufgeben, dass Frieden und Menschlichkeit das Beste sind, was es gibt.

Stattdessen will der Terror Krieg auch zu uns tragen. Wir sollen auch glauben, es herrsche Krieg. Ich hoffe, wir nehmen diese Kriegserklärung nicht an. Wir sind nicht im Krieg. Auch nicht im Kriegszustand. Nicht mit Muslimen, nicht mit Flüchtlingen, nicht mit Ländern im Nahen Osten und Arabien. Wir nehmen die Kriegserklärung nicht an. Weil es einfach nicht stimmt, dass man verletzten Frieden heilen kann, indem man Gewalt an andere weitergibt. In Kairo nicht, nicht in der Türkei und nicht in Syrien.

Weihnachten sagt doch etwas anderes: Frieden ist so kostbar, darum sollen wir in Gottes Namen alles tun, ihn zu schützen, ihn zu verbreiten. In dem wir versuchen, menschlich zu bleiben:
Wir denken an die Schwerverletzten: Dass sie gerettet werden können, dass Schmerzen gelindert werden können. Wir denken an Angehörige und Freunde, die jemand verloren haben und denen die Trauer den Boden unter den Füßen wegzieht. In Berlin, aber auch in Kairo, in der Türkei, in Syrien.
Das ist so widersinnig, was sie erleben und ertragen müssen.

Wir leben nicht im Krieg. Darum bin ich dankbar und es hat mich auch ruhiger gemacht, wie besonnen die Polizei agiert hat: Mit polizeilichen Mitteln und rechtsstaatlich den verletzten Frieden bewahren, das heißt auch: Niemanden pauschal verdächtigen oder gar den Krieg erklären. Ich hoffe, wir bewahren diese Haltung.

Was kann mir helfen, den verletzten Frieden in mir zu heilen? Viele sind aufgewühlt. Wütend. Und in Sorge.
Mir sind gestern Worte von Dietrich Bonhoeffer wieder nahe gekommen. An Weihnachten 1944 hat er sie aufgeschrieben. Er hat wirklich im Krieg gelebt. Und trotzdem oder vielleicht sogar gerade deswegen hat er inständig sich bemüht, Frieden in sich zu bewahren. Im Gedicht „von guten Mächten“ schreibt er:

„Noch will das Alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschrecktenSeelen das Heil, für das du[uns geschaffen hast.“
Ich hoffe, dass wir unserer Angst widerstehen und menschlich agieren. Dass wir an Frieden glauben und seine Spur halten.

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