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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

"Wir kommen daher aus dem Morgenland, wir kommen geführt von Gottes Hand. Wir wünschen Euch ein fröhliches Jahr. Caspar, Melchior und Baltasar."  Mit diesem Lied auf den Lippen ziehen Kinder in diesen Tagen wieder durch unsere Dörfer und Städte. Als die Heiligen Drei Könige sind sie unterwegs und sammeln Geld für die Kinder dieser Welt. In der Regel ist einer von ihnen ein schwarzer König.

In der Bibel ist von Königen gar nicht die Rede, auch nicht von einem schwarzen, dort heißen sie nur die Sterndeuter. Auch Namen sind keine überliefert, selbst die Zahl drei kommt in der Bibel nicht vor. Das alles kam erst später hinzu, in der Zeit der allgemeinen Legendenbildung und Ausschmückung biblischer Geschichten. Die Sterndeuter wurden zu Königen, weil Könige die Großen, die Mächtigen in der Welt sind. Und wenn die zur Krippe kommen und sich vor dem Jesuskind verneigen, so wird damit deutlich, dass er der eigentliche König ist. Die Zahl drei steht dabei für "von überall her", denn damals kannte man erst drei Kontinente - Asien, Europa und Afrika - und jeder der drei Könige steht für einen Kontinent. Und deshalb ist auch einer von den dreien ein Schwarzer, eben der Repräsentant von Afrika.

Wenn es um die Mächtigen dieser Welt geht, wäre heute sicherlich kein Afrikaner an der Krippe. Denn mit Afrika verbinden wir nicht Macht und Größe sondern Ohnmacht und Armut. Vom „vergessenen Kontinent“ ist häufig die Rede. Afrika spielt in der globalisierten Weltwirtschaft die kleinste Rolle, hier ist die Kaufkraft am geringsten, und wo kein Geld, da ist auch keine Macht. Und doch glaube ich, wäre Jesus ziemlich traurig, wenn kein schwarzer König an seiner Krippe stünde. Denn bei ihm geht es nicht um Geld. Macht und Kaufkraft sind für Jesus nicht entscheidend, im Gegenteil seine Sympathien liegen eindeutig bei den Ohnmächtigen und Armen. Da trifft es sich gut, dass das Geld, das die Kinder als die Heiligen Drei Könige sammeln, in diesem Jahr besonders Kindern in Afrika zu gute kommt. Den schwarzen König an der Krippe wird es freuen und Jesus auch.

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