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SWR3 Gedanken

Eigentlich steht es schon falsch herum auf dem Plakat.
Stand up and speak out – also:
Aufstehen und es deutlich sagen -
die Spielregel will’s andersherum: Es sagen und dann aufstehen.
Spielregel? Ja, Spielregel für einen von diesen Weltrekord-Versuchen
für das Guinness-Buch.
Heute sollen sich überall auf der Welt
möglichst viele Menschen zusammentun;
über 23 Millionen, damit es ein Rekord wird.
Konzerte können es sein, Vorlesungen in der Uni
oder spontane Sit ins auf dem Alex in Berlin oder vor dem Kölner Dom.
In München haben sie eine Halle gemietet, da gibt es Konzert
und hinterher Public Viewing vom Fußball-Länderspiel gegen Tschechien.
Solche Aktionen eben.
Geht aber auch im Klassenzimmer oder in der Betriebs-Kantine
Punkt zwei der Spielregel:
Alle setzen sich hin - auf einen Stuhl, auf den Boden oder gehen in die Hocke.
Drittens: Einer liest die Internationale Erklärung gegen Armut vor -
und viertens: alle stehen auf, gemeinsam, mit Schwung.
Also eigentlich: Speak out and stand up.
Aussprechen und Aufstehen gegen Armut.
Den Mächtigen der Welt gemeinsam zeigen,
dass wir ihnen auf die Finger gucken
und nicht mehr zuschauen wollen,
wie sie immer noch zögern.
Die Beseitigung – oder wenigstens Halbierung – der extremen Armut.
Weltweit. Dazu haben sie sich eigentlich verpflichtet
in den so genannten Milleniumszielen.
„Wir wollen etwas tun, damit ein Kind,
das heute in einem armen Land geboren wird,
nicht 30 Jahre früher sterben muss
als ein Kind aus einem wohlhabenden Land.
Wir stehen auf, weil wir Gerechtigkeit fordern.“
So heißt es in der Erklärung der Aufständischen.
Na gut, die Erde kommt nicht ins Schlingern,
selbst wenn alle 25 Millionen gleichzeitig hüpfen würden.
Und natürlich wird es mehr brauchen
als symbolische stand-up-and-speak-out-Aktionen.
Aber wer bei so was mitmacht,
wird sich auf Dauer auch weiter engagieren und einmischen.
Und ob Guinness-Buch oder nicht:
Vielleicht beeindruckt es ja tatsächlich den einen oder anderen Politiker…
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