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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

An Weihnachten soll Frieden sein. Da sollen die Waffen schweigen. Gott kommt ja als Kind auf die Welt und da kann man nicht weiterstreiten wie sonst auch. Da kann man nicht weiterbomben. Nicht nur in Kriegsgebieten. Auch in den Familien.

Oft sieht das aber ganz anders aus. Und tut vor Weihnachten besonders weh. Das ganze Jahr hat man es irgendwie ausgehalten. Dass man mit den Eltern nicht mehr reden kann, dass sich die Kinder nicht melden. Aber je näher Weihnachten kommt, desto schmerzlicher wird das Schweigen.

Soll man vielleicht nochmal drüber reden? Vielleicht überwindet man ja doch die Gräben! Aber bisher hat ein Wort immer das andere gegeben. Und am Ende waren die Gräben nur noch tiefer.

In der Bibel gibt es eine Geschichte, da hat Gott Schweigen verordnet. Es ging um einen Priester namens Zacharias. Dem hat Gott die Geburt eines Sohnes angekündigt. Aber Zacharias konnte nur noch lachen- bitter lachen. Zu lang hatte er mit seiner Frau drauf gewartet, auf ein Kind. Jetzt hat er Gott garnichts mehr zugetraut. Und da hat Gott ihm Schweigen verordnet. So lang, bis das Kind da war. Neun Monate lang.

Und Zacharias hat geschwiegen. Er hat aufgehört, sich über Gott lustig zu machen. Er hat aufgehört, dumme Worte zu sagen zu seiner Frau. Er war nur mit sich allein vor Gott. Und das hat ihn verändert.

Schweigen bedeutet nicht immer Unfriede. Schweigen kann bedeuten: ich höre auf, mich zu rechtfertigen, höre auf mit Vorwürfen, höre auf, meinen Standpunkt zu verteidigen. Schweigend bekenne ich mich zu meiner Ratlosigkeit und bin offen für Gottes Geschichte mit mir und für einen neuen Anfang.

Ja, an Weihnachten soll Frieden sein. Aber manchmal wird erst Frieden, wenn man seine Waffen hinlegt und sagt: Ich weiß nicht, wie wir wieder zusammenkommen. Aber ich hoffe, dass es uns doch noch gelingt. Ein Theologe hat mal gesagt: Wir reden so viel, wir reden uns oft auseinander. Warum schweigen wir uns nicht mal zusammen?

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