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SWR2 Wort zum Tag

Großartige Fortschritte gibt es zweifellos, z.B. in der Nano-Technik oder beim operativen Einsetzen von neuen Knien und Hüften, in der weltweiten Hungerhilfe und in  globaler Solidarität. Aber der Fortschritt hat ein Doppelgesicht. Zu den grässlichsten Errungenschaften gehört z.B. die moderne Erfindung der Kindersoldaten. Zur Nachtseite des Fortschritts gehört nicht nur die Perfektionierung der Folter im Allgemeinen,  nein besonders schrecklich ist  das ausgeklügelte Abrichten von Kindern zu Selbstmordattentätern. Bis in die Tausende soll die Zahl der entführten und missbrauchten Kinder gehen, die methodisch dafür geschult werden, ihr Leben und das von möglichst vielen anderen zu zerstören. Natürlich ist auch  an die zwangsverheirateten Mädchen zu denken, an die Missbrauchsopfer in  Familien und pädagogischen Einrichtungen, nicht zuletzt in der Kirche,  alles schrecklich genug. Aber diese Perversion, junge Menschen, die ihr Leben vor sich haben, förmlich zu Bombenopfern um zu klonen, sprengt alle Vorstellungen. Warum in der Weihnachtszeit  solch ein Thema? 

Heute wird in der katholischen Kirche seit alters das Fest der unschuldigen Kinder gefeiert. Man nahm die Legende vom Kindermord in Betlehem, die Matthäus erzählt, wörtlich. Gleich von Anfang an sollte beim Evangelisten deutlich werden, dass die Geschichte Jesu für ihn selbst und für seine Anhänger gefährlich, ja tödlich ist. Zur weihnachtlichen Freude gehört eben realistisch auch das Entsetzen darüber, wie gewalttätig die Welt noch ist und wie viel Zerstörungspotential in uns Menschen steckt.  Wo Gottes Liebe so anschaulich und konkret wird wie im Leben Jesu, da tauchen auch die Mächte der Destruktion  und des Bösen auf, in uns und um uns. Weihnachten hat nichts zu tun mit der romantischen Vorstellung, wie rein und unschuldig Kinder doch seien. Nein, realistisch richtet sich der Blick darauf, wie früh schon das menschliche Leben in den Sog von Perversion, Missbrauch und Ausbeutung geraten kann. Dabei hat gerade die  Weihnachtsbotschaft von Gottes Menschenfreundlichkeit  wesentlich dazu beigetragen, die Würde jedes Kindes zu fördern. Im Markusevangelium stellt Jesus ein Kind in die Mitte und sagt: „Wer solch   ein Kind  um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf“ – und nicht nur mich, sondern den, der unser aller Schöpfer ist (vgl Mk 9,36).  Gerade weihnachtlich gilt es,  überall die Kinderrechte zu schützen.

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