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SWR3 Gedanken

Es war in der Nacht vom 4. auf den 15. Oktober 1582.
Da verloren Millionen Menschen sozusagen über Nacht
zehn Tage ihres Lebens.
Es kam einfach so über sie.
In dieser Nacht vor 525 Jahren
ist der Gregorianische Kalender in Kraft getreten;
heute und die letzten zehn tage hat es also in dem Jahr nicht gegeben...
Die Astronomen hatten festgestellt,
dass der alte Kalender, der Julianische, einen dicken Fehler hatte.
Die Weltzeituhr ging nach, nach all den Jahren seit Julius Caesar –
eben um zehn Tage, ungefähr.
Und weil Papst Gregor damals ein moderner Mensch war
und auf die Wissenschaftler hörte,
hatte er eben angeordnet: wir kürzen den Kalender um 10 Tage.
Schon eindrucksvoll, welchen Einfluss der Papst damals hatte;
er konnte zwar die Welt nicht anhalten und auch die Zeit nicht;
aber anordnen, dass heute der vierte und morgen der 15. Oktober ist:
Das ist dann allmählich tatsächlich beinah in der ganzen Welt
so übernommen worden.
Naja, es war ja auch einfach nachzurechnen –
und eben ganz vernünftig.
Heute könnte es sich – nicht nur aus historischem Anlass –
doch vielleicht lohnen,
kurz mal darüber nachzudenken,
was zum Beispiel in Ihrem und in meinem Leben ausgefallen wäre,
wenn’s diese letzten zehn Tage nicht gegeben hätte!?
Keine Angst, ich werde das für mich behalten.
Trotzdem: schauen Sie mal zurück, heute – nur gerade eine gute Woche;
auf die schönen Ereignisse, die Sie nicht missen mögen.
Und ruhig auch auf das, was weniger gelungen war.
Für manches wird man dankbar sein -
für anderes vielleicht jemand bestimmtes um Verzeihung bitten…
Zurückblicken kann helfen, das Leben neu zu justieren -
so, wie damals Papst Gregor
den Kalender wieder an die Sonnenzeit angenähert hat.
Und niemand muss dafür auf zehn Lebenstage verzichten.

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