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SWR2 Wort zum Tag

Gott kommt an in der Welt. Und um das mitzubekommen, darum geht es im Advent. Was ja nichts anderes heißt als Ankunft. Das Problem: Gott liebt es sich zu verkleiden. Er kommt nicht an mit Pauken und Trompeten. Er liebt das Inkognito. Das war damals so – vor 2000 Jahren als sich die Geschichte von Jesus abspielte – und das ist heute so. Da braucht es Menschen, die offen sind für Gott in seinen verschiedenen Verkleidungen. Damals waren das Maria und Josef. Sie haben ihn ankommen lassen bei sich und damit in der Welt. Interessant: Im Lukasevangelium ist es Maria, die ja sagt zu der seltsamen Botschaft eines Engels, dass sie ein Kind bekommen wird, einen Sohn, der Sohn des Höchsten heißen wird. Und im Matthäusevangelium ist es der Josef, der ja sagt zu dem Kind. Er wird von einem Engel aufgefordert, Maria trotz dieses seltsamen Kindes nicht zu verlassen. Bei Matthäus spielt Maria keine Rolle. Sie wird überhaupt nicht gefragt, ob sie das Kind haben will. Sie bekommt es einfach – fertig.

Zu bemerken, wo Gott ankommt, ist nicht einfach. Aber ich muss den Ort, wo er ankommt, auch nicht suchen wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen. Denn die Weihnachtsgeschichte liefert doch einige Hinweise, wo er denn gerne ankommt, wenn er kommt. Das Geschlecht spielt für ihn schon mal keine Rolle, er kommt bei Frauen und Männern an. Wichtiger erscheint es ihm jedoch, dass es einfache Leute sind, bei denen er ankommt. Maria und Josef sind weder besonders reich, noch besonders gebildet oder gar mächtig. Und mit der Geschichte von der Geburt im Stall wird deutlich: Gott kommt eher in Hütten an als in Palästen.

Nun wohne ich selbst nicht in einer Hütte, zwar auch nicht in einem Palast, aber doch in einem grundsoliden Haus. Das macht es natürlich schwieriger zu merken, wo Gott ankommt. Aber ich muss ja nicht in meinem Haus bleiben. Ich kann dem Beispiel der Weisen aus dem Morgenland folgen, die man gerne die Heiligen Drei Könige nennt. Sie verlassen ihre Paläste, ihre Universitäten, ihre gesicherte Stellung. Machen sich auf den Weg, folgen einem Stern und knien schließlich vor einem Kind armer Leute. Und sie merken: Hier ist Gott angekommen.

 

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