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SWR2 Wort zum Tag

Manchmal sagen Geschichten mehr als tausend Erklärungen oder als kluge Abhandlungen – wenn es um das Suchen und Finden Gottes geht zum Beispiel. Jesus hat eine solche Geschichte für Gottsucher erzählt:

Ein Händler war unterwegs auf Einkaufstour. Seine Spezialität war der Handel mit Schmuck: Ringe, Ketten, Broschen, aber auch edle Tücher und wertvolle Natursteine. Aber er kaufte und verkaufte diese Kostbarkeiten nicht nur, er sammelte auch manches für sich selbst. Er war einfach vernarrt in diese Schätze und liebte es, sein Geschäft mit erlesenen unverkäuflichen Exemplaren auszustatten.

Die Kollegen mögen das für einen geschäftsschädigenden Spleen gehalten haben: Immerhin lebt ihr Geschäft vom Kaufen und Verkaufen und von einem guten Gewinn, der dabei erzielt wird. Ein Händler, der nur noch für sich selbst kauft und zum Sammler wird, kratzt an seiner Geschäftsfähigkeit.

Bei einer seiner Einkaufstouren entdeckt der Händler eine traumhaft schöne Perle. Ein Schmuckstück, wie er es schon immer gesucht hatte. Es hat allerdings seinen Preis. Doch der ist dem Kaufmann nicht zu hoch. Er tauscht alles, was er während seiner Reise gerade erworben hat, ein und kauft diese eine Perle. Nur für sich.

In Jesu Gleichnis ist diese Erzählhandlung ein Bild für die Suche nach Gott. Oder besser: ein Bild für das Finden und Entdecken Gottes. Die erfreuliche Botschaft für alle Gottsucher lautet dabei: Gott lässt sich finden. Und wer ihn gefunden hat, der wird es erkennen und wissen. Aber die Sache hat ihren Preis.

Ich deute Jesu Geschichte für mich so: Der Markt religiöser Sinnangebote ist unübersichtlich und wirr geworden. Die Antwort auf die Frage danach, was mein Leben trägt, fällt da nicht gerade leicht. Und es will geprüft sein, was mir da begegnet. Im Bild gesprochen: Plunder gibt es viel, aber Wertvolles ist Mangelware.

Jesus ist davon überzeugt, dass es eine echte Perle ist, Gott zu kennen, und dass die Entscheidung, sein Leben auf ihn zu gründen, sich lohnt. Warum? Weil Gott das schlichte Glück eines Tages schenkt. Weil er Schuld vergibt und hilft, mit Schuld fertig zu werden. Weil er in Ängsten tröstet und in schwierigen Lebenslagen Kraft und Mut spendet. Für diese Erfahrungen lasse auch ich so manches andere Sinnangebot fahren.

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