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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Treue. Klingt altmodisch. Ist es aber nicht. Denn Treue braucht jeder Mensch. In ganz verschiedener Hinsicht.

Treue zeigt sich erstens, wenn ich zu einem anderen Menschen halte. Wenn mein Kind Mist baut, schlechte Noten nach Hause bringt, sich geprügelt hat. Da kriegt es zu Recht Ärger. Aber ich mache meinem Kind auch deutlich: Ganz egal, was ist, du bist unser Kind. Wir unterstützen dich und stehen gemeinsam auch schwere Situationen durch. Sicher, du musst für das gradestehen, was du verbockt hast. Aber wir halten zu dir.

Treue kann zweitens auch heißen, dass ich eine Aufgabe übernehme – und die dann auch verantwortungsvoll durchführe. Dass ich mich nicht verdrücke, sondern meinen Job, meine Aufgabe gewissenhaft erledige. Treue heißt hier: Jemand kann sich auf mich verlassen.

Drittens gibt es auch die Treue sich selbst gegenüber. Ich bleibe mir selbst treu – meinen Überzeugungen, meinen Versprechen, meinen Beziehungen. Wenn ich zu mir selbst stehe, auch in schwierigen Situationen, dann heißt das Treue.

Treue ist wichtig für das Leben und das Zusammenleben. Kein Wunder also, dass auch Gott in vielen biblischen Texten so beschrieben wird. Als jemand, der zum Menschen hält, zu seinen Versprechen. Die Rede von einem treuen Gott hat es in sich. In vielen Kulturen und Religionen – auch im Christentum – wird Gott immer wieder als zorniger Gott verstanden. Als ein Gott, der genau aufpasst, ob Menschen fromm leben, ob sie sich an religiöse Regeln halten. Und wehe, wenn das nicht passierte. Wenn aber Gott treu ist, dann kann er kein zorniger, rachsüchtiger Gott sein. Dann kann er nicht sagen: „Mensch, ich halte zu dir.“ Und im nächsten Augenblick: „Ich mache dich fertig, ich bin wütend auf dich.“

Wenn Gott treu ist, dann muss er zum Menschen halten, dann kann er nur ein liebevoller, ein barmherziger und sich erbarmender Gott sein. So wie treue Menschen auch nicht willkürlich mit anderen Menschen umgehen können.

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