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SWR4 Abendgedanken

"Bitte lassen Sie Ihr Handgepäck nicht unbeaufsichtigt!“ diese Durchsage habe ich am Stuttgarter Flughafen gehört, als ich gerade mit meiner Familie in den Urlaub fliegen wollte. Normalerweise überhöre ich solche Warnhinweise. Dieses Jahr aber haben sie mich aufgeschreckt. Nach den Ereignissen in Nizza, München und Ansbach bin ich dünnhäutiger geworden. Was, wenn irgendein durchgeknallter Typ gerade heute auf dem Stuttgarter Flughafen eine Bombe zünden will? So habe ich gedacht und mich dabei ertappt, wie ich mich nervös umgeschaut habe: Steht da irgendwo vielleicht ein herrenloses verdächtiges Gepäckstück? Sieht der dunkelhäutige Mann dort hinten, der so ernst dreinschaut, nicht aus wie ein Terrorist? Ich habe gemerkt: Die Ereignisse der letzten Monate haben bei mir Spuren hinterlassen. Ich bin etwas ängstlicher geworden und ich glaube, so geht es vielen Menschen.

Gott sei Dank ist uns auf dem Flughafen nichts passiert. Keine Bombe. Kein Attentat – und der vermeintliche Terrorist war ein italienischer Familienvater.

Aber ich muss zugeben: Die Unsicherheit bleibt. Ich ahne – vielleicht mehr als früher -, dass ich im Leben nie ganz sicher bin. Immer kann was passieren. Dabei sind es andere Dinge, die mir eigentlich vielmehr Sorgen machen. Nicht Bomben und Attentate. Ich habe mehr Angst vor einem Unfall im Straßenverkehr. Oder vor einer schlimmen Krankheit. Oder dass meinen Kindern etwas zustößt. Das ganze Leben ist wohl so etwas wie ein Gehen auf dünnem Eis. Das ist mir in der letzten Zeit noch bewusster geworden.

Es gibt also so vieles, was mir Angst und Sorgen machen kann. Aber dagegen will ich meinen Glauben setzen. Ich glaube, dass mein Leben nicht in der Hand eines blinden Schicksals liegt, sondern in Gottes Hand. Gott begleitet mich und hält von allen Seiten seine Hand über mir. So heißt es in einem Gebet der Bibel. Und wenn ich genau nachdenke, dann habe ich das ja oft genug erfahren. Wie oft habe ich mir Sorgen gemacht und dann kam alles doch anders. Ich bin schon oft bewahrt worden. Deshalb sage ich Gott meine Sorgen und Ängste im Gebet und spüre manchmal dabei, wie sie kleiner werden. Ich werde zuversichtlicher und gewinne neuen Lebensmut. Genau in dieser Spannung lebe ich: Zwischen all den Sorgen meines Lebens und dem Vertrauen auf Gott, der mich behütet.

 

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