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SWR3 Gedanken

Was wir brauchen, ist nicht Eure Angst.
Was wir brauchen, ist euren Glauben, eure Liebe und Solidarität!
Das hat ein Freund gestern Nacht aus München getwittert.
Da hat ein 18 jähriger Deutsch- Iraner 9 Menschen in einem Einkaufszentrum erschossen. Viele sind noch verletzt.
Gestern ist zum ersten Mal in einer deutschen Großstadt Terroralarm ausgelöst worden. Unsere Kinder leben in München und haben uns erzählt, dass Hubschrauber über ihren Häusern kreisen. Es war stundenlang Sirenengeheul auf den Straßen. Ich war noch nie so erleichtert, dass sie zu Hause waren.  
Weil- gestern Nacht hat ja keiner gewusst, wie viele Täter unterwegs sind. Und ob das alles nur der Anfang ist. Keiner hat gewusst, ob es ein Terroranschlag ist. Aber gefühlt war er da. Der Terrorismus. Und die Angst. Aber gleichzeitig war da noch was Anderes: Unsere Gesellschaft hat sich gewehrt. Und sie hat gezeigt, wie man ihn gewinnen könnte. Den Kampf gegen den Terror.
Die Polizei von München hat gezeigt, wie klug, besonnen und effektiv Polizei sein kann.  Während schwer bewaffnete Polizisten auf Tätersuche waren, haben deren Kollegen sich an die Rechner gesetzt und über die sozialen Medien den Leuten gesagt, wie sie mithelfen können. Indem sie zu Hause bleiben, nichts tun und Ruhe bewahren. Vielleicht Fremden ein Dach über dem Kopf anbieten. Münchner Moscheen waren offen und Hotels haben kostenlos Zimmer zur Verfügung gestellt. Meine Münchner Freundin wurde von Privatleuten nach Hause gefahren, weil kein Taxi unterwegs war.
Kurzum: zwischen all dem Schrecken und Chaos hat sich ein Netz der Menschlichkeit über München gespannt und weit darüber hinaus. Unsere Gesellschaft hat sich gewehrt. Mich erfüllt das mit tiefer Dankbarkeit. Morgen werden wir in unseren Gottesdiensten für die Familien und Freunde der Opfer beten. Aber schon heute habe ich die Hoffnung, dass wir die Herausforderung dieser Tage bestehen können. Weil viele von uns – trotz allem- an die Macht von Liebe und Mitmenschlichkeit glauben.
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