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SWR3 Gedanken

Ich laufe durch die Fußgängerzone. Im Stechschritt. Ich habs eilig und das sieht man mir auch an. Und dann passiert das:

Auf einmal taucht ein junger Mann im Anzug auf. Er läuft dicht an mir vorbei und spricht mich plötzlich an. „Hast du kurz Zeit?“ Ich bleibe genervt stehen. Eigentlich läuft mir das jetzt gar nicht rein. Was will der von mir? Eine Unterschrift? Ich winke dankend ab und will weiter. Aber der Kerl lässt nicht locker: „Nur ganz kurz, bitte!“ Ich gebe nicht nach und will weiter. „Bitte!“ bettelt er fast schon und sagt dann: „Nur ein kleines  bisschen mehr lächeln!“

Ich bin so perplex über diesen Satz, dass ich einfach weiterlaufe. Nicht sehr höflich, wie mir sofort klar wird. Nach ein paar Schritten wird mir bewusst, was da gerade passiert ist. Ich bleibe stehen. Ein Lächeln streift über mein Gesicht und ich drehe mich um. Der junge Mann ist auch weitergelaufen, aber er dreht sich auch nochmal um. Als unsere Blicke sich treffen und er mich lächeln sieht, hebt er beide Daumen nach oben. Ich fange an zu grinsen.

Nicht nur meine Laune verbessert sich schlagartig. Ich laufe nach Hause und es hat sich was verändert: auf einmal begegnen mir viele freundliche und lächelnde Gesichter. Ich fühle mich beflügelt.

Die Aktion von dem Mann finde ich auch im Nachhinein echt genial. Sie hat mir gezeigt, wie gehetzt ich manchmal durch die Gegend jage. Ich bin dann in Gedanken schon wo ganz anders und nicht im Hier und Jetzt. Und die Begegnung hat mir gezeigt, wie viel ein echtes Lächeln und ein offener Blick bewirken können. Mir gings an diesem Tag jedenfalls blendend.

 



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