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SWR3 Gedanken

„Fasse dich kurz“. Als Student vor vielen Jahren hatte ich diesen Satz oft vor Augen. Als Telefonieren noch teuer und ein Handy noch Science-Fiction war prangte er an der Tür des gelben Telefonhäuschens hinter unserem Wohnheim. „Fasse dich kurz“, das sollte wohl heißen: Andere wollen auch mal. Heute gefällt mir dieser Satz aus einem ganz anderen Grund: Dank WhatsApp, Facebook oder Twitter leben wir heute vor allem in grenzenloser Geschwätzigkeit. Jeder darf so oft er will und keiner muss mehr warten, bis der Andere fertig ist. Darum wird auch jede noch so nichtige Lappalie gleich mit der ganzen Welt geteilt. Dabei lässt sich ganz besonders Wichtiges im Leben oft ganz besonders kurz sagen. Als Gott die Welt erschaffen hat, hat er darüber keine großen Worte verloren. „Es werde Licht“ heißt es da, kurz und knackig. Und Jesus, der einen Lahmen gesund macht, sagt ihm nur: „Steh auf und geh“. Er muss sich seiner Sache jedenfalls verdammt sicher gewesen sein. Vielleicht mache ich wirklich umso mehr Worte, je unsicherer ich mir selber bin. Ich jedenfalls werde viel kürzer und prägnanter, wenn ich zutiefst von etwas überzeugt bin. Wenn ich mit meiner ganzen Person dahinterstehe. Ganz besonders dann, wenn es um Menschen in meinem Leben geht. „Verzeih mir bitte“ oder „Ich vergebe dir“. Und natürlich „Ich liebe dich“. Für die vielleicht wichtigsten Sätze im Leben braucht es nur drei Worte. Mehr nicht.

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