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SWR3 Gedanken

Joseph ist froh. Er hat es geschafft. Ein Studienplatz in Deutschland und ein Stipendium, das ihm den Aufenthalt finanziert. Daheim in Ostafrika, erzählt er mir, gibt es viele wie ihn. Junge Leute mit einem großen Traum: Weg, sobald es geht. Weg aus ihren Heimatländern. Weg aus korrupten Strukturen und aus Perspektivlosigkeit. Denn gute Jobs gibt es viel zu wenige bei ihnen. Auch für Leute wie Joseph nicht, die gebildet sind und qualifiziert. Auch wenn es voran geht in vielen Ländern Afrikas. Joseph und vielen anderen dauert das alles viel zu lange.

Von afrikanischen Flüchtlingen ist im Moment öfter die Rede. Auch in meinem Kopf blitzen dann sofort die gängigen Fernsehbilder auf: Abgemagerte, zerlumpte Menschen in vollgestopften Schlauchbooten. In höchster Seenot von Soldaten aus dem Mittelmeer gefischt. Joseph gehört nicht dazu. Er ist legal hier, besitzt ein gültiges Visum. Doch genau genommen ist auch er ein Flüchtling. Weil er, wie all die vielen Anderen, seinen Glauben verloren hat. Den Glauben an eine Zukunft in seinem Land. Wie die meisten Menschen liebt er seine Heimat, seine Familie und die Freunde, die er dort hat. Doch wie umgehen mit einer Heimat, die zwar Vergangenheit bietet, aber keine erstrebenswerte Zukunft? Eine Antwort darauf hat er noch nicht. Wenn er fertig ist, wird er hierbleiben, einen Job suchen, Geld verdienen. Erst mal. Und er wird weiter hoffen, seinen Glauben doch noch wiederzufinden. Den Glauben an eine Zukunft daheim.

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