Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Wort zum Tag

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und die Islamischen Religionsgemeinschaften in Baden-Württemberg haben vor kurzem ein „Gemeinsames Wort zum Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit“ vorgestellt. Ich befürchte, dass dieses gemeinsame Wort nicht so öffentlich beachtet wird, wie es angemessen wäre.  Das was Christen und Muslime trennt, wird gerade im Moment viel mehr betont, als das, was sie verbindet. 

Umso unterstreiche ich diese gemeinsame Initiative. Menschen radikalisieren sich, geflüchtete Menschen werden ausgegrenzt, Menschenrechte werden missachtet und Leben weltweit ausgelöscht. Dies alles macht es dringend erforderlich, die gemeinsamen Quellen des Respekts und der Barmherzigkeit zu suchen. Wie lassen sich die gemeinsamen ethischen und religiösen Grundlagen für Frieden und Gerechtigkeit, für die unantastbare Würde eines jeden einzelnen Menschen erkennen und fruchtbar machen? Diese Frage leitet  die Autoren dieses Gemeinsamen Worts. 

Der gemeinsame Glaube an Gott ist das Zentrum ihrer Friedensbotschaft. Der Name Gottes hat bei Christen und Muslimen unterschiedliche Farben, aber sie bringen eben auf verschiedene Weise zum Ausdruck, dass er ein Gott für uns Menschen ist.  Niemals lassen sich Ablehnung, Unfrieden und Gewalt mit religiösen Argumenten rechtfertigen. „Wir teilen die Überzeugung“, heißt es in dem Gemeinsamen Wort, „dass Gott uns Menschen liebt und dass seine Barmherzigkeit umfassend ist. Die Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen –  als Mitgeschöpfe – ist das zentrale und grundlegende Gebot des Schöpfers an uns Menschen. Darin gründen und orientieren sich alle anderen Gebote – auch unsere Schöpfungsverantwortung.“ 

Werden alle Unterschiede nivelliert? Diesen Einwand höre ich schon. Keineswegs, sagen die Verfasser. Aber sie werben gerade angesichts der kulturellen und religiösen Unterschiede dafür, dass wir  – Christen und Muslime – einander besser kennen und verstehen lernen und in unserer Verschiedenheit annehmen. Das kann ich nur unterstreichen, und ebenso diesen Satz, den ich sehr stark finde: „Selbst wenn wir keine weiteren, auch keine religiösen Gemeinsamkeiten finden sollten, wissen wir uns als Christen und als Muslime durch unsere Gottesbeziehung […] dazu verpflichtet, im Großen und im Kleinen für Frieden und Gerechtigkeit einzutreten.“ 

Ich bin sehr froh über dieses Gemeinsame Wort. Es beantwortet sicher nicht alle Fragen und löst nicht alle Probleme. Aber es kann das, was erstarrt ist,  in Bewegung bringen und Neues möglich machen.  

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22267