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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Wie betest du? Ein Jesuitenpater hat darüber mal ein Buch geschrieben. Wie betest du? Wie nimmst du Kontakt auf mit Gott?

Ich singe gerne. Aber nicht nur sonntags im Gottesdienst begleitet von der Orgel. Auch beim Kochen singe ich die Hits aus dem Radio mit. Oder beim Autofahren, wenn ich alleine unterwegs bin. Da kann ich so laut singen, wie ich mag.

Noch schöner ist es in einem Chor zu singen. Das habe ich schon lange nicht mehr. Irgendwie habe ich mir dafür keine Zeit genommen. Und seit letztem Monat weiß ich, wie sehr mir das gefehlt hat.

Am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern, wo ich Pfarrerin bin, feiern wir sonntags um 10 Uhr Gottesdienst. Meistens spielt eine junge Frau die Orgel. Nach einem Gottesdienst hat sie mich mal gefragt: „Hast du Lust im Chor zu singen? Ich singe im Gospelchor. Kommt doch mal vorbei.“ Und sie hat mich zur nächsten Chorprobe eingeladen.

Ich bin hingegangen und war ganz schön aufgeregt. Hoffentlich singe ich nicht falsch, hoffentlich komme ich mit. Aber dann hat es mir so viel Spaß gemacht. Die Lieder hatten Schwung und Rhythmus, die anderen haben mich freundlich in ihren Chor aufgenommen.  Am Ende der Chorprobe haben wir uns dann in einem Kreis aufgestellt, dicht an dicht und haben ein Taizé-Lied gesungen:  Bless the Lord my soul. Segne mich Gott, haben wir gesungen, führe uns hinein ins Leben. Wunderbar mit mehreren Stimmen.

So zu singen hat eine lange Tradition. In der Bibel gibt es 150 Psalmen. Das waren ursprünglich Lieder, von denen wir nur noch die Texte kennen. Menschen haben gesungen, wenn sie mit Gott geredet haben. Über ihr Leben, das schön und schrecklich sein kann.

In den Psalmen singen sie von ihrer Gottverlassenheit und von loben Gott für die wunderbare Schöpfung. Sie danken Gott, dass er sie behütet hat und bitten ihn, er möge sie befreien von Feindschaft und Hass.

Wenn ich singe, ist es als öffnete sich ein weiter Raum. Ein Raum für meine Ängste und Freuden, für meine Sehnsucht nach dem mehr im Leben. Wenn ich singe, wird es weit in mir. Und an manchen Tagen ist mir, als würde Gott einziehen in diesen Raum und darin wohnen.

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