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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Wie betest du? So lautet der Buchtitel eines Jesuitenpaters. Der hat 80 Jesuitenmönche gefragt, wie sie eigentlich beten. Als ich das Buch aufgeschlagen habe und anfing, es zu lesen, da hat es sich angefühlt, als würde ich eine Schatzkiste öffnen. Spannende Frage, spannende Antworten. JA, wie betest du eigentlich?

Manchmal brauche ich keine Worte, nur Bewegung. Vor einigen Wochen bin ich zusammen mit Freunden in die Stadt gefahren. Wir wollten tanzen gehen. Endlich mal wieder. Aber mit Mitte 40 macht das in einer Disco nicht mehr so viel Spaß. Weil man das Gefühl hat, man würde mit seinen eigenen Kindern tanzen. Aber wir haben in der Stadt einen Club gefunden für unsere Altersgruppe und unseren Musikgeschmack. Um 22 Uhr war zwar noch niemand da. Aber die Tanzfläche war frei. Ich habe den Raum gespürt und die Musik ging mir gleich ins Blut. Ich habe angefangen zu tanzen. Tanzen ist für mich wie beten. Ich gebe mich der Musik hin. Ich überlasse mich der Bewegung. Tanzen ist Hingabe und Hingabe ist Gebet.

Ich habe viel getanzt in dieser Nacht. Ich habe mich gespürt und das Leben fühlte sich leicht an. Alle Sorgen und so manchen Ärger der letzten Woche habe ich einfach aus den Armen und Beinen geschüttelt.

Und dann tönte es aus den Lautsprechern: God is a DJ. Gott ist ein Discjockey. Wirklich? Ja, ich glaube, für mich ist das so. Gott legt in meinem Leben die Musik auf. Das Schöne und auch das Schwere, in Dur und in Moll, schnell und langsam. Ich mag die Melodie nicht zu jeder Zeit. Manchmal möchte ich mehr Piano oder Dur statt Moll.

Und manchmal stimmt alles, der Rhythmus, die Tonart, der Takt. So wie in der Nacht vor ein paar Wochen im Club.
Ich war einfach da, habe getanzt. Ich konnte mich dem Moment hingeben und alles war gut. Ich konnte auftanken für den neuen Tag und die neue Woche.
Wie betest du? An manchen Tagen brauchst du keine Worte, nur Bewegung und Hingabe. Und es betet in dir.

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