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SWR2 Wort zum Tag

Ostern wird wirklich, wenn Frieden wird. Das muss nicht der große Friede sein. Manchmal reicht schon, wenn er nur zwei Menschen erreicht. Wenn auf einmal der Druck der Welt weicht. Ostern wird wirklich, wenn Frieden wird.

Ich habe das, glaube ich, dieses Jahr begriffen. Weil ich es miterleben konnte in einer kleinen Begebenheit:
Vor drei Wochen, im Ostergottesdienst. Nach der Predigt. Die Menschen sind eingeladen zum Abendmahl an den Altar. Auch ein alter Herr geht nach vorn. Mit seiner Tochter. Sie sitzt im Rollstuhl, behindert. Er schiebt sie langsam, behutsam. Ich kenne die beiden. Richtig alt ist er geworden im letzten Jahr‘, geht es mir durch den Kopf. ‚Müde und gebeugt.‘ Die Tochter scheint weit weg in ihrer eigenen Welt.

Dann müssen die beiden warten bevor sie zum Altar können. Bleiben also stehen. Da löst der Vater eine Hand vom Rollstuhl, streicht der Tochter über die Schulter und lässt dann seine Hand ganz leicht dort liegen. Ich glaube, dass er sich dessen nicht bewusst ist. Aber gerade in dieser Unbewusstheit wirken die beiden so vertraut und verbunden.

Die ganze Zeit hat schon die Orgel gespielt. Jetzt erst scheint der Vater sie zu hören. Er nimmt sie auf. Und klopft im Takt –nur mit einem Finger – sachte auf die Schulter seiner Tochter. Ganz kleine Bewegungen. Kaum zu sehen. Trotzdem berühren mich diese Zeichen von Nähe, die er gibt und die sie sich gefallen lässt. In diesen Momenten haben die beiden einander gefunden, es leichter gehabt. Wo sonst sicher oft auch Last ist. Schöne heilsame Zeichen gefunden.

Mir ist dieser Moment haften geblieben: Ein Bild von Ruhe und Geborgenheit. Vertrauen. Treue. Miteinander. Am besten fasst es für mich eigentlich das Wort „Frieden“. Die beiden wirkten im Frieden und ich habe von ihrem auch etwas mitbekommen. Für mich ein Stück wirkliches Ostern.

Denn, wie untrennbar Frieden und Ostern zusammen gehören, ist mir beim Nachdenken über diese Begegnung deutlich geworden. Immer wenn die Bibel erzählt, dass der Auferstandene Menschen begegnet ist, wünscht er ihnen Frieden. Shalom. Frieden ist in der Bibel ein untrügliches Zeichen dafür, dass Gott in der Nähe ist.

„Rest in peace“, „ruhe in Frieden.“ Synonym könnte man auch sagen: „Ruhe in Gott.“ Oder der Segen des Papstes zu Ostern: „Der Friede des Auferstandenen ‚urbi et orbi‘: Für die Stadt Rom und den ganzen Erdkreis.‘ Wenn Friede einzieht, wird Ostern wirklich.

Ich hoffe darum, dass solcher Frieden wie der zwischen dem Vater und seiner Tochter im Rollstuhl noch viele erreicht.

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