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SWR3 Gedanken

Seit acht Wochen ist unser zweites Kind auf der Welt. Ein Junge. Das erste ist ein Mädchen.

Das muss ich deshalb so betonen, weil es mich total erstaunt, wie einige darauf reagieren. Sowohl mein Mann als auch ich hören oft: „Ach wie schön, jetzt ist der Stammhalter ja da.“ Oder die Frage: „Was sagt denn Dein Vater, jetzt wo der Stammhalter geboren ist?“ 

Mich ärgert das und ich kann dann auch fast nicht mehr freundlich bleiben.

Ich empfinde das wie einen Schlag ins Gesicht meiner Tochter. Die ist doch genauso Stammhalterin. Und für mich selbst ist es auch blöd. Ich habe zwei Schwestern. Wir sind also drei Mädels und kommen vom Hof. Nie habe ich das Gefühl gehabt, dass da der männliche Stammhalter fehlt. Und wenn es nur um den Namen geht: da sind wir inzwischen ja Gott sei Dank weiter. Mein Mann hat z.B. meinen Namen angenommen und so bin ich diejenige, die den Nachnamen an die nächste Generation weiter gibt.  

Dieser Ausdruck „Stammhalter“ ist natürlich überhaupt nicht böse gemeint. Er zeigt aber, wie tief doch der Unterschied zwischen Jungs und Mädchen in den Köpfen verankert ist. Ganz unbewusst. Und das erschreckt mich, weil ich das ganz anders sehe. 

Es hat für mich was mit dem christlichen Verständnis vom Menschen zu tun. Wir werden in der Bibel als Abbilder, als Ebenbilder Gottes bezeichnet. Das ist es!

Jede und jeder einzelne ist so unglaublich viel wert, dass es völlig egal ist, ob vertrieben, sesshaft, obdachlos, gesund, krank oder eben ob Frau oder Mann.

Genau so sehe ich das bei meiner Tochter und meinem Sohn auch.

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