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SWR3 Gedanken

Vom vergötterten Idol zur verlachten Loserin, über die man dumme Witze reißt. Der Dokumentarfilm „Amy“, der das tragische Leben der großartigen Sängerin Amy Winehouse erzählt, ist so eine Geschichte. Ein Film, der weh tut. Weil er ganz nah rangeht, nicht wegschaut. Weil er zeigt, wie es oft gar nicht mehr um Amy, den hochbegabten, verletzlichen Menschen geht, sondern um den umjubelten Star. Wie aus der gefeierten Sängerin eine Projektionsfläche wird für die Wünsche und Erwartungen anderer. Der Journalisten, Musikmanager und Fans. Wie sie diese Erwartungen perfekt erfüllt, ihr dabei das eigene Leben aber immer mehr entgleitet.

Vom Hosianna zum Kreuzigt sie ist es manchmal ein verdammt kurzer Weg und treffen kann es jeden. Denn selbst an mich richten sich ja Erwartungen. Von meinem Arbeitgeber, meinen Kollegen. Von Hörern, Lesern, Freunden, meiner Familie. Manches kann ich nicht erfüllen, anderes will ich vielleicht auch nicht. Aber jede Erwartung, die ich enttäusche, jeden Wunsch, den ich nicht erfülle, bringt Frust. Kratzt an der Hoffnung, die ein anderer in mich gesetzt hat. Und je enthusiastischer das Lob, je größer die Erwartung, desto tiefer der mögliche Sturz. Im schlimmsten Fall verliere ich mich selbst, gefangen in Ansprüchen und Erwartungen. Amy Winehouse hat sich verloren. An einem Morgen im Juli 2011 findet man sie tot in ihrer Wohnung. Sie wurde 27.

 

 

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