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SWR3 Gedanken

Wie kann ein Mensch nur so hassen? Das frag ich mich oft, wenn ich von Selbstmordattentätern höre. Warum haben die kein Mitgefühl? Warum kommen die nicht zur Vernunft?

Judas war auch so einer. Judas, der Mann, der Jesus ans Messer geliefert hat. Oder besser gesagt: ans Kreuz. Dabei war Judas ein Jünger Jesu, sein Schüler.

Judas war einer der Freiheitskämpfer aus dem Norden Israels, ein Zelot. Er hat Jesus bewundert für sein Charisma. Er konnte Menschen heilen und Hoffnung geben. Und das wollte Judas auch: den Menschen Hoffnung geben.
Die römischen Besatzer haben so hohe Steuern erhoben, dass die Kleinbauern ihren Acker verkaufen mussten. Viele haben sich als Tagelöhner durchgeschlagen und sind weiter in die Armut gerutscht. Sie begegnen uns in der Bibel als die vielen Blinden und Lahmen, denen Jesus auf Schritt und Tritt begegnet ist.

Judas wollte diese Zustände ändern. Wir sind das Volk, Römer raus, Israel den Juden. Das wollten die Zeloten. Und Judas hat gehofft, Jesus würde ihn anführen, den Aufstand gegen die Römer.

Aber Jesus hat nicht das Feuer des Hasses geschürt. Nur das Feuer der Nächstenliebe.  Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Den Nächsten, nicht nur dem eigenen Volk. Jeden, sogar den Feind.  Jesus hat viele Herzen erreicht, sogar die der römischen Soldaten. Aber das ausbeuterische System, das hat Jesus damit nicht verändern.

Und genau dafür hat Judas ihn irgendwann  gehasst. Liebe deine Feinde, deine Ausbeuter? Die dir dein Land wegnehmen? Das ist für Judas unerträglich dumm und naiv. Deshalb verrät er Jesus an die römischen Soldaten. In der Nacht. Mit einem Kuss. Mehr Verachtung geht kaum. Und Jesus? Er schaut ihn an. Und fragt ihn: Mein Freund, warum bist du gekommen? (Mt.26,50)

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