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SWR3 Gedanken

Meine Freundin ist Alawitin. Sie ist klug, wunderschön und vorlaut. Aber neulich war sie richtig erschrocken. Sie hat sich mit einem Kollegen in der Firma unterhalten. Der hat ihr erklärt, dass er jetzt drüber nachdenkt, die AFD zu wählen. Er mache sich Sorgen über die vielen Leute, die jetzt ins Land kommen. Und irgendjemand müsse doch was tun und so gehe es schließlich nicht weiter…Da hat sie gesagt: „Machst du dir denn keine Gedanken, dass die auch Leute wie mich meinen?“ „Nein, dich meine ich natürlich nicht“, hat der geantwortet. „Aber die meinen auch mich“, hat sie ihm erklärt.

Und mir sagt sie: Weißt du, das kann sich kaum einer vorstellen, wie schwer das ist, irgendwo anzukommen. Ankommen ist mit Schmerz verbunden. So viel Irritation der Identitäten. Ein Chaos der Zugehörigkeiten. Alle in der zweiten und dritten Generation erleben das. Aber ich gehöre hierher, ich bin hier zuhause. Sie ist hier in die Schule gegangen auch in den Religionsunterricht und hat hier studiert. Und natürlich arbeitet sie, sie organisiert Events in einer Computerfirmaund sie engagiert sich im interreligiösen Diskurs und für Flüchtlinge.

In der Bibel, in einem Text der vor etwa 3000 Jahre entstanden ist, heißt es: „Wie ein Einheimischer soll euch der Fremde gelten, der bei euch lebt.“ Meine Freundin ist zum Glück eine trotzige Natur. Sie stellt sich hin und erklärt: Ich bin nicht angekommen um wieder wegzugehen. Hier bin ich zuhause.

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