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SWR2 Wort zum Tag

„Entängstigt Euch!“ Diesen Appell hat der Wiener Theologe Paul Zulehner über sein gerade erschienenes Buch geschrieben. Es geht darin um unsere Gefühle gegenüber jenen Menschen, die aus unterschiedlichen Notlagen zu uns fliehen. Dass es solche Appelle gegen die Angst braucht, wer will das ernsthaft bestreiten! In den Medien ist schon ganz selbstverständlich von der „Angstgesellschaft“ die Rede, wenn es um die Stimmungslage in unserem Land geht.

Mich hat das neue Buch von Paul Zulehner sehr angesprochen. Selbstverständlich mahnt auch er: Christinnen und Christen tragen eine besondere Verantwortung für die, die sich zu uns gerettet haben, aus großer Not und weil sie auf ein besseres Leben hoffen. Der Theologe Zulehner erinnert aber auch an etwas anderes: Es ist eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche, Menschen von ihrer Angst zu heilen.

Entsprechend ruft er nicht einfach nur „Entängstigt Euch!“

Seinem Appell liegt eine Umfrage zugrunde: Dabei wollte er wissen, wovor genau sich Menschen ängstigen, aber auch, wo sie zuversichtlich sind - angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen, die zu uns kommen.

Paul Zulehner hat auch wissen wollen, ob die Befragten, trotz ihrer Ängste, etwa mithelfen, den Flüchtlingen ein menschliches Willkommen zu bereiten, oder ob sie eher eine Abwehrhaltung einnehmen.

Das Ergebnis dieser Umfrage ist nicht überraschend: eine diffuse, unbestimmte Angst ist bei denen am Größten, die den geflohenen Menschen gar nicht begegnen. Für die die Flüchtlinge kein Gesicht haben. Die auch nur in „gesichtslosen Worten“ von ihnen sprechen– also beispielsweise von „Flüchtlingsströmen“ oder von „Flüchtlingsmassen“.

Auch die anderen, die helfen, sind natürlich besorgt, reden sich nichts schön, sehen wie gewaltig die Aufgabe ist.

Paul Zulehner geht es vor allem darum, dass aus diffuser Angst wie er sagt – „rationale Besorgnis“ werden soll. Denn: Wenn ich mir der Gründe und Ursachen meiner Sorge bewusst werde, kann das viel kraftvolle Energie freisetzen. Aus solcher begründeten Sorge kann auch wieder neues Vertrauen entstehen. Diese Energie und dieses Vertrauen aber werden unsere Politiker, wird auch jeder und jede einzelne von uns in den nächsten Jahren dringend brauchen – wollen wir, als Christinnen und Christen, in dieser „Flüchtlingszeit“ bestehen.

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