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SWR3 Gedanken

Stille kann Angst machen. Das denke ich, als ich den Seniorennachmittag in unserer Gemeinde verlasse. Da sollte jemand auftreten, kam aber nicht. Und die Verantwortlichen sind dann rumgerannt. Die Besucher  hat es scheinbar nicht gestört. Sie haben sich halt unterhalten. Als ich danach zu einer Aufführung meiner Tochter beim Turnverein gehe ist es anders und doch ähnlich:
Gerade ist eine Trampolinaufführung im Gange. Einer der Springer kommt fast bis zur Hallendecke. Auf der Bühne an der Längsseite wird noch umgebaut.  Die Leute klatschen. Und die Musik ist irrsinnig laut. Stampfende Rhythmen einfach Textfetzen. Die Menschen in der Turnhalle sitzen an langen Bänken. Viele haben eine Cola oder ein Bier vor sich. Und sie schauen entweder den Turnern zu oder vor sich hin. Unterhalten können sie sich nicht, höchstens sich gegenseitig anbrüllen. Ständig läuft die Musik, als ob sie dunkle Gedanken mit Gewalt aus einem herausprügeln müsste. Selbst zwischen den Darbietungen läuft die Musik weiter.
Ich mag laute Musik und mag auch meiner Tochter beim Turnen zuschauen. Aber  ich habe mich gefragt: Warum wird ständig Musik gespielt? Ist die Stille – oder von mir aus die Unterhaltung – nicht zu ertragen?
Das wichtigste Element im Gottesdienst ist für mich das stille Gebet. Einfach nur Stille. Jeder darf für sich denken was er will. Keine Bespaßung, kein Inhalt. Und wir machen das alle zusammen. So können alle zusammen lernen, die Stille auszuhalten. Stille ist nichts Schlimmes. Sie frisst uns nicht auf.
Sie wirft uns auf uns selbst zurück, aber das wird uns auch nicht erdrücken. Im Gegenteil, sie kann uns stark machen, die Herausforderungen anzunehmen, die sich uns stellen. Im Sport oder auch sonst im Leben. 

 
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