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SWR3 Gedanken

Gäbe es die letzte Minute nicht würde nie etwas fertig!
Hat schon Mark Twain gesagt.
Ich weiß nicht wie das bei ihnen ist, aber bei mir ist das so.
Ich könnte zwischen heute und Heilig Abend noch gut und gerne zwei Wochen brauchen.
In der Stadt scheint es mir, als wenn ich damit nicht alleine damit wäre.
Alle rennen Weihnachten entgegen, kein Parkplatz zu finden die Stimmung vielfach gereizt.
Wenige schlendern noch gemütlich und betrachten die Auslagen während andere bepackt mit Päckchen und Tüten auf sie auflaufen, brüllen, weil sie im Weg stehen.
Wenn alle eilige sind, dauert alles immer länger.
Dabei geht es eigentlich nur noch um ein paar Kerzen oder um die Duftkerzen für den Räuchermann. Und ein Geschenk für Tante Gertrud, die sich nun doch noch angemeldet hat. Ich also renne mit.
Versuche zu stoppen damit keine Tüte runterfällt, wenn mir jemand in die Quere kommt, ich bin auch am Rennen, aber etwas in mir schaut dem allen zu und genießt die Aufregung die doch direkt in das Heilige mündet.
Und dann mein Gemüsemann auf dem Markt!
Der schlägt mir immer einen superfrischen Weihnachtsbaum, da muss ich mich dann schon nicht mehr mit Aussuchen beschäftigen, sondern nehme eben den, den er für mich ausgesucht hat, der ist nie perfekt, - „ah die komisch Seit‘, die stelle Sie grad in die Wand“ aber er duftet wunderbar.
Im Gegenzug begegnet er mir mit der Erwartung, dass ich noch Zeit habe zu plaudern.
Nimmt während er eigentlich mich bedienen sollte noch drei andere Leute dran, Eier für die Dame, Rote Beete und Schwarzwurzel für den Herrn.
Mir entlockt er derweil Einschätzungen über den Klimawandel, erklärt mir wie er das als Bauer sieht, natürlich über die Flüchtlinge und Frau Merkel da sind wir uns heute mal einig.
Wir finden das gut, dass sie immer wieder sagt: „Wir schaffen das.“
Plaudernd bringt er mich ganz raus aus meinem ultimativen Weihnachtsrun.
Den Baum auf der Schulter zieh ich nachhause und pfeife: Tochter Zion.
Zwei bleiben stehen, drehen sich um und grinsen

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