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SWR3 Gedanken

Der 4. Advent ist so eine Art ultimative Schwelle vor dem Eintritt ins Weihnachtszimmer. Drei Wochen schon haben wir auf Weihnachten gewartet.
Obwohl Warten so gar nicht zu dem gehört was die Kinder heutzutage zu lieben lernen. Und Erwachsene auch nicht.
Eigentlich aber ist Warten etwas Wunderbares:
Die Nase in den Wein halten aber noch nicht trinken;
an der Bienenwachskerze reiben, den Duft erschnuppern, aber sie noch nicht anzünden. Oder die Geschenke einpacken und sich die Gesichter vorstellen von den Beschenkten.
Herrlich! Ich liebe das.
Psychologen reden hier von: delay of gratification, also die Belohnungsverzögerung: man muss Geige lange üben bevor es schön wird, was da rauskommt. Aber dann!
Und: Es braucht eben vier Wochen Advent.
Bis Weihnachten wird und es braucht noch viel länger bis die Welt eine bessere wird, weil Gott in die Welt kommt und alles gut wird.
Darum ist es wichtig, so warten zu können, dass in der Zwischenzeit nicht nur nichts passiert. Sondern dass man übt. Wie beim Geige spielen eben.
Advent ist eine großartige Übung.
Weil mit jeder Kerze die entzündet wird, mit jedem Plätzchen das gebacken und jedem Päckchen das verpackt und verziert ist, mit dem Aufstellen der Weihnachtskrippe, dem Aussuchen des Weihnachtsbaums.
Weil allein damit ja schon etwas passiert – auch mit mir selbst. Es ist wie die brennende Geduld mit der ich dem Kommen des Geliebten entgegen gehe.
Ich schmücke mein Herz. Ich mache mich fein.
Und gehe ihm entgegen. Ich warte.
Jesus kommt – und alles wird gut.

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