Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Wort zum Tag

„Ich kann die Welt nicht ändern.“ Den Satz kenne ich. Will ich die Welt denn ändern? Ein Freund hat mir vor einigen Tagen den Text eines Songs zugesandt – schon etwas älter, geschrieben von dem Liedermacher Rio Reiser, der 1996 gestorben ist. Er beginnt mit den Worten: „Du sagst, Du willst die Welt nicht ändern.“ Und dann geht es weiter: „Und ich frag mich, wie machst du das nur? Du bist doch kein Geist in der Flasche. Und du bist doch auch kein Loch in der Natur. Denn nach jedem Schritt, den du gehst, und nach jedem Wort, das du sagst, und nach jedem Bissen, den du isst, ist die Welt anders als sie vorher war.“ 

Dieser Gedanke spricht mich an: Alles, was ich tue, verändert die Welt. Nichts was ich tue, bleibt folgenlos. Und auch das, was ich nicht mache, hat Folgen. Alles verändert die Welt. 

Es ist nicht gleichgültig, ob  es mich gibt oder nicht. Es ist auch nicht gleichgültig, was ich tue und wie ich lebe. Das drückt eine sehr hohe Achtung, ja ein Staunen und eine Ehrfurcht vor jedem Menschenleben aus. Jeder Mensch ist mit seinem Eintritt in diese Welt etwas Einmaliges und Endgültiges. Wenn es ihn nicht gäbe, wenn es dein und mein Leben nicht gäbe, wäre alles anders, als es ist. Kein Mensch ist ersetzbar. 

Das heißt aber auch: An dem Bild der Welt, wie sie ist, male ich mit. An der Gestalt der Welt, wie sie ist, habe ich meinen Anteil – ob ich will oder nicht. Ob ich etwas Gutes tue oder ob ich etwas Schlechtes tue – ich verändere die Welt. Auch wenn ich nichts tue, verändere ich sie. Zugegeben: Manchmal hat es ja auch sein Gutes, wenn ich nichts mache. Es ist nicht immer einfach abzuwägen, ob es besser ist zu handeln oder nichts zu tun, zu reden oder zu schweigen. Ich muss mich entscheiden, auch wenn so vieles undurchschaubar ist, oft zwiespältig. Ich würde gerne die Folgen überschauen und habe klare Ergebnisse  und Antworten meistens lieber als offene Fragen. Aber es bleibt mir nichts anderes übrig, als diese offenen Fragen zu akzeptieren. Gelassenheit wird von mir verlangt, aber auch Vertrauen. 

Ich habe einen Platz in dieser Welt, der nicht austauschbar ist. Das ist eine große Chance und eine große Verantwortung. Wie singt Rio Reiser: „Denn nach jedem Schritt, den du gehst, und nach jedem Wort, das du sagst, und nach jedem Bissen, den du isst, ist die Welt anders als sie vorher war.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=21001