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SWR4 Abendgedanken

Aber, gell Papa, wir spielen nach Kinderregeln! Das sagen mir unsere Kinder immer als erstes, wenn wir Mensch ärgere Dich nicht oder ein anderes Spiel spielen. Die Kinderregeln sehen dann so aus, dass die Kinder nicht rausgeworfen werden dürfen beim Mensch ärgere dich nicht. Oder dass die Kinder immer 3-mal würfeln dürfen. Auch wenn alle ihre Figuren auf dem Brett unterwegs sind.
Aber im Leben ist das ja nicht so einfach. Da brauchen wir Regeln an die sich alle halten, damit ein Miteinander funktioniert.
Wie schwierig das ist, Regeln zu finden, die niemanden benachteiligen – und an die sich vor allem alle halten – erlebe ich nicht nur auf politischer Ebene. Sondern auch immer wieder in meinem Alltag. Denn niemand möchte gerne verlieren oder den Kürzeren ziehen. Da ist die Versuchung manchmal groß, ein Parkverbotsschild nach meinen eigenen Regeln zu interpretieren. Oder eine rote Fußgängerampel. Oder bei der Steuererklärung zu tricksen.
In der Bibel gibt es deshalb so was wie eine Grundregel. Sozusagen eine Art von Rahmenbedingung, die verhindern soll, dass wir uns nicht an die Regeln halten.
Jesus hat das so formuliert: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Willen. Dies ist das größte und wichtigste Gebot. Aber das zweite Gebot ist genauso wichtig: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.
[1]
Das könnte also heißen, nicht rechts und nicht links vom Pferd zu fallen. Denk an den anderen, aber vergiss dich nicht selbst dabei oder umgekehrt.
Ich denke, das könnte der Schlüssel zu einem guten Miteinander in unserem Spiel des Lebens sein. Denn: wenn ich z.B. gut verdiene, dann kann ich davon vielleicht ein bisschen was abgeben. Und wenn es gerade eher knapp zugeht, dann kann ich vielleicht Unterstützung erwarten. Und dann auch annehmen.
Deshalb spiele ich mit meinen Kindern schon manchmal nach Kinder-Regeln. Aber eben nur manchmal. Denn sie sollen lernen: dass es schon schön ist, den Papa beim Mensch ärgere dich nicht rauszuwerfen. Aber dass es eben dann auch passieren kann, dass sie selber mal rausgeworfen werden. Und dass die Hauptsache ist, dass wir zusammen spielen.



[1] Matthäus 22,37-39.

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