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SWR4 Abendgedanken

Jetzt möchte ich aber auch was von Dir hören. Das sage ich immer zu unseren Kindern, wenn sie sich bedanken sollen. Für die Scheibe Wurst beim Metzger oder die kleine Tüte Gummibärchen im Restaurant.
Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat.[1] Das steht in einem alten Gebet in der Bibel. Es ist einer meiner Lieblingspsalmen. Und er beschreibt eigentlich genau das: Scheinbar müssen nicht nur Kinder daran erinnert werden Danke zu sagen. Auch wir großen brauchen das manchmal. Denn ich finde, dass die Dankbarkeit oft ein bisschen zu kurz kommt. Irgendwie ist Vieles heute so selbstverständlich geworden. Bitten ist da schon einfacher. Auch Gott gegenüber. Ich kenne das gut von mir. Wenn ich mir unsicher bin. Oder vor etwas Angst habe, dann schicke ich oft so ein kleines Stoßgebet in den Himmel. Bitte Gott, hilf mir jetzt die richtigen Worte zu finden. Und, wenn ich die richtigen Worte, dann tatsächlich gefunden habe, ist das Gebet schon vergessen. In vielen Gebeten aus der Bibel, kommen deshalb das Danke und das Bitte zusammen vor.
Denn: Danke zu sagen heißt: Ich habe etwas geschenkt bekommen. Und das ist doch einfach toll.
Ich bin dankbar dafür, dass ich jeden Morgen aufstehen und meinen Alltag gestalten kann. Das ist nicht selbstverständlich.
Ich bin dankbar, dass es meinen Kindern gut geht. Dass sie sich wohlfühlen in ihrem Kindergarten und mit ihren Freunden.
Ich bin dankbar, dass es so viele verschiedene Menschen auf dieser Welt gibt. Die Welt ist so bunt. Und ich mag es bunt.
Ich bin dankbar für mein Leben. Dankbar, dass ich nicht fliehen muss aus unserem Land. Und ich bin Gott dankbar, dass er immer für mich da ist. Dass ich auf einer so faszinierenden Erde leben darf, die uns so vieles ermöglicht. Mit einem Danke dafür, bin ich mir bewusst, dass mir das geschenkt wurde. Ich zeige Gott auch, dass ich das gerne annehme.
Mit meiner Dankbarkeit gebe ich auch etwas zurück. Nämlich dann, wenn sich der andere über meine Dankbarkeit freuen kann. Andere freuen sich über mein Danke – und ich bin sicher: Gott freut sich auch.
Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Daran lasse mich gerne erinnern, besonders abends. Dann kann ich meinen Tag dankbar beenden.



[1] Psalm 103,1.

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