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SWR3 Gedanken

Grau hängt der Nebel zwischen den Bäumen. Ihre kahlen Äste ragen in den Himmel. Die Blätter modern, sogar das Gras ist verwelkt. Leben ist vergänglich. In diesen Tagen spüren das viele. Man muss dazu nicht mal raus in die Natur.
Heute ist Totensonntag.
Irgendwo in der Ferne läuten Kirchenglocken, laden ein zum Gottesdienst. Ich mache mich auf den Weg zur Kirche, denke an die Menschen, die in diesem Jahr verstorben sind. Gesichter, Begegnungen, Worte fallen mir ein. Ein fester Händedruck, Lachen, auch Bitterkeit.
Im Gottesdienst werde ich Namen verlesen. Die Namen derer, die im letzten Jahr in unserer Gemeinde verstorben sind. Dabei werden die Glocken läuten. Wir werden Kerzen anzünden und an sie denken. Die Lichter sind für uns kleine Hoffnungszeichen. Jesus hat mal gesagt: „Mit dem Tod ist nicht alles zu Ende. Ich lebe – und ihr werdet auch leben.“
Ewigkeitssonntag. So heißt dieser Tag auch. Mir gefällt der Name besser. Denn er meint: Auch wenn meine Zeit in dieser Welt begrenzt ist und ich sterben werde wie jeder Mensch - Bei Gott gibt es solche Grenzen nicht. Seine Liebe umgibt mich auch dann, wenn ich an meine Grenzen gekommen bin. Wie auch immer. Gottes Liebe umhüllt jeden Menschen, bringt Licht in das, was uns trüb, dunkel und rätselhaft erscheint.
Auf dem Weg zur Kirche komme ich an kahlen Bäumen vorbei. Die toten Äste, sie tragen schon jetzt die Knospen für das nächste Jahr. Leben, das im Verborgenen schlummert, bis die Zeit dafür reif ist.
Jesus sagt: Ich lebe. Und ihr werdet auch leben.

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