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SWR2 Wort zum Tag

Das Schild an der Wand leuchtet hell und ich kann deutlich lesen: Chaldäisch-katholische Kirche in Stuttgart. Der Pfarrer der Gemeinde begrüßt mich und erzählt: „Das Schild ist noch ganz neu und hängt auch ein wenig schief, aber es ist jetzt unsere Kirche“, und er strahlt dabei genauso hell wie das Schild an der Kirchenmauer. Er heißt Sizar Happe und kommt aus dem Irak. Er  leitet seit acht Jahren die chaldäisch-katholische Kirchengemeinde in Stuttgart.  „Wir hatten bisher keine eigene Kirche. Vor einem Jahr hat uns der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart diese hier geschenkt“, erzählt er strahlend.

Viele der Gemeindemitglieder sind aus dem Irak geflohen und es werden täglich mehr. „Wir werden als Christen brutal verfolgt im Irak“, erzählt er mir. „Aber hier ist es anders. Hier fühlen wir uns sicher und geborgen. Und wir sind so dankbar, dass wir hier sein können.“

Wir gehen in die Kirche und er zeigt mir stolz den großen Gebetsraum. „Das ist wie der Himmel auf Erden für uns. Wir feiern hier jeden Sonntag Gottesdienst auf Aramäisch, in der Sprache Jesu, erzählt er. Wir beten für den Frieden im Irak und für die Opfer und Angehörigen der Terror-Anschläge in Paris. Die Kirche ist immer bis auf den letzten Platz besetzt.“

Viele der Gemeindemitglieder sind erst vor kurzem angekommen. Er kennt sie alle und ist für sie da, egal wo sie ankommen oder wo sie untergebracht sind.  „Ich will ihnen hier eine neue Heimat schenken“, erklärt er mir. Und er meint es ernst. Wir gehen in die Sakristei. Er zeigt mir das große Holzkreuz auf dem Tisch. „Das ist ein orientalisches Kreuz aus unserer alten Heimat im Irak“, sagt er wehmütig. „Uns ist es wichtig, so ein Kreuz hier zu haben. Das schenkt uns Hoffnung und macht uns Mut“. Das Kreuz kann man in der Mitte auseinanderklappen. Dort steht der Name Gottes in aramäischer Sprache mit drei roten Punkten: „Die stehen für Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist“, erklärt er mir. 

„Wir haben das Kreuz erst letzte Woche hierher gebracht. Und das war nicht einfach.“ Religiöse Symbole sind im Irak verboten und im Flugzeug sowieso. Aber er lächelt verschmitzt, „Wir haben es irgendwie geschafft. Dann erzählt er mir auch von dem Sparschwein, das jetzt im Advent an den Gottesdiensten vor dem Ausgang aufgestellt wird. „Jeder gibt, was er kann und wir freuen uns über jede Gabe“, sagt er. Er selbst bringt die Spenden in den Irak, zu den   Familien und Freunden dort. Mit dem Geld werden Schulen und Bildungscamps vor Ort im Irak gebaut.

Wir gehen aus der Kirche, draußen ist es schon dunkel. Nur das Schild auf der Kirchenmauer strahlt besonders hell.

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