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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Wenn sich jemand den Tod wünscht -  darf man ihm dabei helfen? Im Bundestag ging es vor vierzehn Tagen ausnahmsweise einmal nicht um Außen- oder Binnengrenzen Europas, sondern um die Grenze des Lebens. Es ging um den sogenannten assistierten Suizid. Und das Parlament hat entschieden: Wer aus der Hilfe zur Selbsttötung ein Geschäft macht, der wird bestraft. Die Hilfe eines Einzelnen bleibt straffrei.
Viele sagen: wenn ich verantwortlich bin für mein Leben, dann gehört auch mein Sterben nur mir selber. Als Christ denke ich hier anders. Mein Sterben und mein Tod gehören mir nicht. Sie gehören Gott und sind bei ihm gut aufgehoben. So hat das auch Nikolaus Schneider gesagt. Er war Vorsitzender des Rates der evangelischen Kirche. Gott hat und behält das letzte Wort über mein Leben und Sterben, hat er gesagt. Mich berührt, dass Nikolaus Schneider von seinem Leben und Sterben gesprochen hat. Es steht uns nicht zu, in dieser Sache über andere zu urteilen. Wichtig ist, eine eigene Haltung zu finden zu der Situation, die man zu bewältigen hat.
So hat Nikolaus Schneider sein Amt als oberster Protestant aufgegeben, als seine Frau an Krebs erkrankt ist. Und er hat gesagt: wenn seine Frau „es“ nicht mehr aushält, die Schmerzen, die Abhängigkeit, das langesame Sterben, wenn sie selbst entscheiden und sterben will, dann würde er ihr die Sterbehilfe nicht verweigern.
Was ist richtig, was ist falsch? In Grenzfällen lässt sich das eben nicht grundsätzlich festlegen. Es geht um das Sterben jedes einzelnen Menschen. Um die Grenze seines Lebens. Und es geht darum, diese Situation mit Würde und in Liebe zu bewältigen. Deshalb darf es hier niemals eine Geschäftemacherei geben. Und weil es keine allgemeingültigen Regeln gibt, müssen wir über die individuellen Grenzen reden: Wie willst du über die Grenze gehen? Was wünschst du dir, wenn es mit deinem Leben zu Ende geht? Ich finde es wichtig, das voneinander zu wissen. Miteinander zu reden.
Der Bundestag hat entschieden und ein Gesetz gemacht. Ich finde, jetzt sind wir dran. Jetzt ist die Zeit für Gespräche. Gespräche darüber, wie  wir einander beistehen können. Wenn es mit uns einmal über die Grenze geht.

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