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SWR2 Wort zum Tag

Auch heute morgen ist etwas Erstaunliches passiert: Die Sonne ist aufgegangen, und wir sehen Himmel und Erde unterschieden. Auch wenn wir noch so viel naturwissenschaftlich über Kosmos und Alltag wissen, dieses Phänomen bleibt elementar: Die Unterscheidung zwischen Himmel und Erde, und dazwischen die Weite des Lebensraumes, ja des Weltraumes, in dem wir sind. Weiter und größer geht’s nicht, wortwörtlich. Umso erstaunlicher ist folgendes Glaubensbild aus den Psalmen Alt-Israels. „Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch ist seine Huld über denen, die ihn lieben und fürchten. So weit der Sonnenaufgang entfernt ist vom Sonnenuntergang, so weit entfernt er die Schuld von uns.“ (Ps 1o3,11f) Ein faszinerendes Bild für die Großzügigkeit Gottes. Wo biblisch und christlich von ihm die Rede ist, da ist von Vergebung die Rede. Schluss endlich damit, sich und andere fertig zu machen; Schluss mit den dauernden Selbstvorwürfen oder den Anklagen an andere; Schluss mit dem negativen Denken, mit dem scheelen Blick und dem geizigen Verhalten!  Mit diesem Tag beginnt alles neu; was bedrückt und einengt,  wird so weit weg geworfen, wie es weiter nicht geht. Die Leute, die dieses Loblied auf den vergebenden Gott gefunden haben, waren offenkundig überwältigt vom Geschenk des Sonnenaufgangs, von der Weite zwischen Himmel und Erde, von der Weitherzigkeit Gottes. Geht man nicht viel lockerer und leichter in den beginnenden Tag hinein mit dieser Hoffnungsperspektive? Ist es nicht ein erlösendes Geschenk ohnegleichen, so an Gott glauben zu dürfen?

Dieser biblische Psalm  ist  von tiefstem  Schöpfungsvertrauen geprägt. Mehr noch : da ist von  einem schlechterdings wohlwollenden Gott die Rede.  „Er weiß, dass wir Staub sind“ – also seiner Sorge bedürftig  und seiner Vergebung. Aber eben auch fähig, ihn als treu und verlässlich zu erkennen, z.B. in der Ordnung der Schöpfung. Alles, was schlecht ist, böse und kaputt, das wird  von ihm hinweg geschafft –  eine Art wunderbare Müllentsorgung, und das sozusagen mit links. So jedenfalls erfahren es jene, die glauben dürfen. Sie leben aus der Vergebung Gottes. Sie nehmen weder Himmel und Erde selbstverständlich noch diesen  neuen  Tag. Glauben heißt, die Welt so schön zu sehen , wie sie noch nicht ist. Glauben heißt, aus Gottes verschwenderischer Großzügigkeit zu lebenn. Ob unsereiner heute daran denkt, wenn er in den Himmel schaut, oder auf dass Irdische, das Alltägliche.

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