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SWR2 Wort zum Tag

Ich bin am Freitag von einem Kneipenabend heimgekommen und habe noch die letzten Spielminuten des Fußballspiels Frankreich gegen Deutschland angesehen. So langsam hat es mir und anderen gedämmert, dass da etwas ziemlich Schreckliches in Paris geschehen sein muss. Und es war wie so oft mit schrecklichen Nachrichten: Es fängt an mit einem mulmigen Gefühl – das war für viele der Moment, als eine laute Detonation im Stadion zu hören war. Dann einige nicht bestätigte Hinweise des Fußballkommentators. Und schließlich die Ticker-Meldungen und Sondersendungen durch die ganze Nacht.

Bei mir hat das einen Gefühlsmix ausgelöst. Vom eher ängstlichen „das wird doch nicht…“ bis zur Wut auf die Terroristen. Von der Neugierde, wie es sich weiter entwickeln wird bis dahin, wo ich mich absolut traurig und machtlos gefühlt habe.

Und irgendwann stellt sich dann die Frage: Was kann ich tun, wie kann ich mich engagieren? Aber eine Antwort hatte ich nicht parat. Ich habe später einige Bekannte gefragt, wie sie mit solchen Ereignissen umgehen. Die meisten sind erstmal genauso ratlos wie ich. Einer aber hatte eine gute Idee. Er hat gesagt: „Außer Beten fällt mir da nicht viel ein.“ Diese Idee hatte zum Glück nicht nur einer, sondern ganz viele an diesem Abend. Es ist eine richtige Bewegung daraus entstanden: „Pray for Paris“, also „Betet für Paris“. Ein Gebet kann das Geschehene zwar nicht rückgängig machen, aber es zeigt, dass viele solidarisch sind mit den Opfern und deren Angehörigen. Beten – das ist oft die letzte Rettung in ausweglosen Situationen. Und es kann Menschen richtig gut tun zu beten.

In der Bibel gibt es ein ganzes Buch voller Gebete, das Buch der Psalmen. Sie wurden geschrieben, um Gott zu loben, um ihn um etwas zu bitten, um Danke zu sagen, oder auch einfach nur, um sich zu beklagen. Da heißt es z.B. im Ps 6:

Ich bin so müde vom Seufzen;
ich schwemme mein Bett die ganze Nacht /
und netze mit meinen Tränen mein Lager.
Mein Auge ist trübe geworden vor Gram /
und matt, weil meiner Bedränger so viele sind.

Auf die Klage folgt aber auch oft ganz unvermittelt eine Zuversicht. Und das beeindruckt mich so an den Psalmen. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, es sind Gebete aus ganz unterschiedlichen Anlässen. Aber es strahlt Zuversicht aus ihnen. In Psalm 6 hört sich das so an:

Weichet von mir, alle Übeltäter; /
denn der HERR hört mein Weinen.
Der HERR hört mein Flehen; /
mein Gebet nimmt der HERR an.

Es ist heute vielleicht noch ein bisschen früh für Zuversicht nach den schrecklichen Ereignissen vom Freitag. Aber ich hoffe, dass nach der Machtlosigkeit und Trauer irgendwann auch dafür wieder Platz sein wird.

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