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SWR3 Gedanken

Interreligiöser Gesprächsabend im Gemeindehaus einer kleinen Kirchengemeinde. Vertreter des Judentums, des Christentums und des Islam sind eingeladen, um von den Basics ihres Glaubens zu erzählen.
Um das Publikum einzustimmen, haben die Veranstalter auf dem Boden religiöse Symbole und die heiligen Bücher der jeweiligen Religionen arrangiert. Auf einem bunten Tuch finden sich die Tora, die Bibel und der Koran. Eigentlich könnte es losgehen.
Doch bevor der Moderator das Wort ergreift, meldet sich ein Moslem aus dem Publikum zu Wort. Das Arrangement auf dem Boden findet er unerträglich. Der Koran darf nicht dort liegen, wo schmutzige Schuhe trampeln. Eilig werden sämtliche Gegenstände und Bücher auf einen Tisch gelegt. Die Veranstaltung kann beginnen, aber eigentlich haben wir alle jetzt schon etwas gelernt.
Eine Bibel auf dem Boden stört hierzulande keinen Menschen. Es ist ein Buch, in dem zweifelsfrei wichtige Dinge stehen. Aber es ist ein Buch. An der Wichtigkeit des Inhalts können weder Kaffeeflecken noch Eselsohren noch Staub noch Schlamm etwas ändern. Für einen Moslem geht das alles gar nicht.
Wer den Koran als Buch mit Füßen tritt, tritt auch seinen Inhalt mit Füßen. Zwischen den Buchdeckeln befindet sich für den gläubigen Moslem heiliger Inhalt, den es zu achten gilt. Und im Umgang mit dem Buch muss man diese Achtung spüren. Tja. Andere Religionen, andere Sitten.
Im Austausch der Religionen gibt es wirklich viel zu lernen. Und das hat nicht nur etwas mit Kirche und Moschee, mit Weihnachten und Zuckerfest zu tun. Im Volksmund heißt es: Der Teufel steckt im Detail. Im Miteinander der Religionen steckt Gott im Detail. Je mehr wir miteinander ins Detail unseres Glaubens gehen, desto besser werden wir einander verstehen. Und wo wir das tun und einander mit Respekt und Achtung begegnen, da leben wir nicht mehr nebeneinander, sondern miteinander.

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