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SWR3 Gedanken

Wer zu uns nach Deutschland kommt muss ein paar grundlegende Dinge akzeptieren. Dass wir uns regelmäßig waschen, keine Frauen belästigen, den Stadtpark nicht als Klo missbrauchen und so weiter. So und ähnlich tönte es manchmal in letzter Zeit, auch von deutschen Politikern. Vor meinem geistigen Auge belagerten schon unzivilisierte Horden unsern Vorgarten. Das Zusammenleben fördern solche Sprüche aber nicht wirklich.

Dabei stimmt es ja: Wer aus einem fernen Land mit anderer Kultur kommt, der muss in der Tat manches lernen. Ich erlebe das an meiner Arbeitsstelle immer wieder mit Studenten aus anderen Kulturen. Manches, was uns selbstverständlich erscheint, ist erst mal unverständlich für sie. Ob es um die penible Mülltrennung geht oder die Art, wie in der Gemeinschaftsküche ein Essen zubereitet wird. Manches Verhalten nervt da schon gewaltig. Doch Hand aufs Herz. Umgekehrt ist es doch genauso. Wer als deutscher Besucher in Uganda oder Indonesien mal nicht im deutschen All-inclusive-Hotel absteigt, sondern sich auf das Alltagsleben dort einlässt, erlebt exakt dasselbe. Bei unseren Studenten sehe ich aber auch, dass aus kulturellen Missverständnissen oft ein beiderseitiges Geben und Nehmen wird. Nicht nur unsere Gäste sind ja interessiert daran, wie wir leben. Auch viele deutsche Studierende wollen mehr wissen. Erfahren, wie es in der fremden Kultur zugeht, die die Gäste mitbringen. Wer dann offen aufeinander zugeht, erlebt oft Erstaunliches. Nicht nur Verständnis füreinander, im besten Fall auch einen Gewinn für beide Seiten.

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