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SWR3 Gedanken

Ich und Krafttraining? Nie im Leben! Zumindest habe ich das bis letztes Jahr gedacht. Bis mein Arzt mich mit einem Rezept genau dorthin schickte. „Machen sie das mal. Das tut ihnen gut. Ihre Wirbelsäule hat es nötig.“ Mit mulmigem Gefühl bin ich in dann ins Rehastudio gegangen. Um es kurz zu machen: Es hat mir gut getan und das Training mache ich noch immer. Wirklich beeindruckt aber haben mich die Menschen, denen ich dort begegnet bin.

Auf den ersten Blick ein Ort der Mühseligen und Beladenen. Der junge Mann etwa, der nach einem Unfall nun mühsam wieder Laufen lernt. Die Frau, deren Gelenke durch harte berufliche Belastung ruiniert sind. Oder der nette ältere Herr, der nach einem Schlaganfall nur mühsam und mit fremder Hilfe seine Übungen machen kann. Leute, die körperlich alle schlechter dran sind als ich. Und doch erlebe ich an diesem Ort der Mühseligen und Beladenen keinen Frust und keine Depression. Im Gegenteil. Freude über jeden kleinen Fortschritt. Genugtuung, etwas nach Stunden schweißtreibenden Trainings ein wenig besser zu können als noch vor zwei Wochen. Kleine, ganz persönliche Erfolgserlebnisse.

Ich merke jedenfalls, dass das nicht nur meiner Wirbelsäule gut tut. Es macht mich auch ein bisschen demütig und dankbar, wie vergleichsweise gut es mir in meinem Alter noch geht. Aber auch, weil ich erleben darf, dass es nie zu spät ist für persönliche Erfolgserlebnisse, mögen sie auch noch so klein daherkommen.

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