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SWR3 Gedanken

Ein kleiner Junge, der ertrunken am Strand des Mittelmeers liegt. Das Foto des kleinen Alan Kurdi war vielleicht das mächtigste Bild des Jahres. Ein friedliches Kinderbild und genau darum so verstörend, und eine Mahnung, das Mittelmeer nicht zu vergessen. Angesichts immer neuer Flüchtlingslager in der Nachbarschaft gerät es ein bisschen aus dem Blick. Doch immer noch sterben dort Menschen, die verzweifelt versuchen, dem Irrsinn in ihrer Heimat zu entfliehen.

Die Soldaten auf den Kriegsschiffen im Mittelmeer sind längst zu Fischern geworden. Zu Menschenfischern. Ein Wort, das seltsamerweise genau so auch in der Bibel vorkommt. Jesus sagt es zu den Männern am See, die lieber mit ihm herumziehen wollen, statt ihre Netze auszuwerfen. Nicht mehr Fische würden sie jetzt fangen, meint er. Menschenfischer sollen sie nun sein. Das klingt vielleicht ein wenig nach Drückerkolonne. Nach Klinkenputzen und Mitgliederwerbung. Doch ich glaube, hier war es bitter ernst gemeint. Will heißen: Wer da mitmacht wird künftig jene auffangen, die ganz unten liegen. Die in existentieller Not sind, in Lebensgefahr. Die es aus eigene Kraft nicht mehr packen. Und zwar nicht aus Kalkül. Weil sie als Arbeitskraft, Beitragszahler oder sonst was nützlich sind. Sondern weil sie Menschen sind. Kinder Gottes, nennt es die Bibel. Ganz egal, wer sie sind und was sie glauben. Menschen fischen ist Christenpflicht und elementare Menschenpflicht.

Bleibt nur zu hoffen, dass unsere Kriegsschiffe auch weiterhin das Mittelmeer als Menschenfischer absuchen. Wenn nicht aus Christen-, dann auf jeden Fall aus Menschenpflicht. Damit es nicht noch mehr Bilder, wie das von Alan Kurdi geben muss.

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